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07. Juli 05

Bombenanschlag in London: Augenzeugen bloggen

In der britischen Hauptstadt hat es heute Morgen einige Bombenexplosionen in der U-Bahn und in Bussen gegeben. London beherrscht zur Zeit nicht nur die allgemeine Medienberichterstattung, sondern auch die Blogosphere. Zahlreiche Augenzeigen bloggen direkt von den Attentaten. Im Spiegel werden auch einige Blogger zitiert:

So heißt es in "Blogger aus London": "Während das Mobilfunknetz in London zusammengebrochen zu sein scheint, dringen einige Stimmen über Blogs und Foren nach draußen. Blogger zu Hause und in Internet-Cafés in der Innenstadt berichten über das Chaos im Zentrum." (Spiegel)

Zu den wichtigsten Online-Suchen in den letzten Stunden gehören deshalb bei Technorati folgende Suchbegriffe:  “London”, “London Explosion”“London Explosions” und “London Bomb”. Aber auch bei Flickr gibt es unter London zahlreiche Bilder von den Ereignissen.

In der Vergangenheit haben bereits die Tsunami-Blogs gezeigt, wie sehr Blogger als Stimmen von den Medien geschätzt werden. Außerdem erhalten die Onliner dadurch viele Informationen aus erster Hand oder können unmittelbar von ihren "Erlebnissen" berichten.

Update 8. Juli: Nicole Simon erläutert am Beispiel der London-Anschläge in ihrem Blog-Artikel "I'm ok" - Die neue Art, sich und andere zu informieren", wie sich auch ihr persönlicher Zugang zu den Informationen verändert hat und welche Bedeutung für sie in diesem Zusammenhang Blogs und Social Software insgesamt haben.

>> London leben
>> Blogstats: Blogberichte der letzten 24 Stunden - darunter zahlreiche über London
>> Sixtus: Live Reporting
>> BBC News: Reporters' Log: London explosions

 

14. Juni 05

Businessweek: The Future of Technology

Businessweek_coverjuni2005Fast 1 Milliarde Menschen bilden heute einen Online-Kosmos, der einen großen Machtfaktor darstellt, wenn es zur Zusammenarbeit der Vielen kommt. Mit diesem Thema setzt sich die Businessweek auseinander und betrachtet diesmal das Blog-Thema in größeren Zusammenhängen. Erstmals in der Geschichte erhalten die Menschen mit dem Internet die Möglichkeit, sich im größeren Maßstab miteinander auszutauschen und Kontakt aufzunehmen. Das verändert schon heute vieles im herkömmlichen Geschäftsleben und wird künftig noch für größere Herausforderungen sorgen.

"A big, hairy, monstrous organism, that is. The nearly 1 billion people online worldwide -- along with their shared knowledge, social contacts, online reputations, computing power, and more -- are rapidly becoming a collective force of unprecedented power. For the first time in human history, mass cooperation across time and space is suddenly economical." (Businessweek)

Doch auch die Art und Weise, in der wir bisher arbeiten, könnte sich verändern, wenn die Online-Massen sich Gehör verschaffen und den Unternehmen ihre Sicht der Dinge mitteilen. Ungefiltert und ohne Hilfestelltung der Medien. Der einzelne Blogger mag schwach sein, im Schwarm stellt sich das jedoch schon wieder ein wenig anders dar.

Mit einem "Weiter so" werden viele Business-Modelle schon bald nicht mehr funktionieren. Als erstes bekam es die Musikindustrie zu spüren, Voice-over-IP wird ebenfalls Bekanntes auf den Kopf stellen und vielleicht erleben wir sogar durch die Meinungsmacher-Blogs eine "Demokratisierung der Industrie", in der die Kunden größere Mitspracherechte einfordern:

"At the same time, peer power presents difficult challenges for anyone invested in the status quo. Corporations, those citadels of command-and-control, may be in for the biggest jolt. Increasingly, they will have to contend with ad hoc groups of customers who have the power to join forces online to get what they want. Indeed, customers are creating what they want themselves -- designing their own software with colleagues, for instance, and declaring their opinions via blogs instead of waiting for newspapers to print their letters. "It's the democratization of industry," says C.K. Prahalad, a University of Michigan Stephen M. Ross School of Business professor and co-author of the 2004 book The Future of Competition: Co-Creating Unique Value with Customers. "We are seeing the emergence of an economy of the people, by the people, for the people." (Businessweek)

>> BusinessWeek -  June 20, 2005:  The Power Of Us - Mass collaboration on the Internet is shaking up business
>> Businessweek: The Future of Technology - Themenüberblick
>> PR Blogger: Businessweek wirbt für Corporate Blogs
>> via Hugo E. Martin

13. Juni 05

Immer mehr Blogs buhlen um Aufmerksamkeit

Zahlreiche neue Blog-Projekte werden zurzeit gestartet, darunter nicht wenige im politischen Bereich. Auf das Informations-Überangebot durch Blogs reagieren viele Anwender zunächst eher allergisch. Wie soll ich relevante Inhalte finden? Wo gibt es spannende Blogs? Wer liest das überhaupt? So lauten die Einwände, wenn ich auf meinen Seminaren und Veranstaltungen über Blogs diskutiere. Letztlich mündet es oftmals in dem Satz: "Ich habe gar keine Zeit mich damit auch noch auseinanderzusetzen."

Das ist bei Nice-to-have-Content vielleicht noch nachvollziehbar und drückt das Dilemma unserer Informationsgesellschaft aus. Wir erhalten täglich neue Informationen via E-Mail, TV, Zeitungen, Zeitschriften, Websites und jetzt auch noch Blogs. Dennoch bleibt das Zeitbudget für die Medienrezeption begrenzt. Andererseits stellt sich die Relevanz-Frage ohnehin. Wir müssen immer eine Wahl treffen und uns für oder gegen einen medialen Inhalt entscheiden. Neuerdings gehören eben einige Blogs zum Relevant Set dazu. Ob ich ein Blog lese oder keines, hängt nicht unbedingt vom Blog-Format ab, sondern von den Themenfeldern.

Außerdem können Blogs eine wichtige Rolle bei der Auswahl von Inhalten spieleln. Sie verdichten sogar die relevanten Informationen, meint der RSS-Blogger: "Durch diese assoziativen Netzwerke entstehen Filter, die oftmals genau das hervorkristallisieren oder hindurchlassen, was wirklich relevant ist."

>> RSS-Blogger: Blogfieber ausgebrochen

23. Mai 05

Wir leben in digitalen Lebenswelten

Das Bedienen eines Computers soll demnächst so einfach werden, wie das Aufdrehen eines Wasserhahns. Am Wochenende habe ich viel Zeit mit unserer Internet-Anbindung und dem neuen Einrichten von Firewalls und Antivirentools verbracht. Nichts geht von selbst. Und sogar IT-Experten scheitern oft an kleinen Fragen.

Auf einfache Lösungen warten alle Anwender schon seit Jahrzehnten, versprochen wurde das oft, doch jetzt gibt es wenigstens ein schönes neues Schlagwort dafür: "Ubiquitous Computing". Ob es einfacher wird, das wage ich zu bezweifeln. Allerdings wird das Digitale noch viel stärker als bisher in unsere Lebenswelten eindringen.

"In Zukunft wird jeder alles über mich wissen. Die Gesellschaft wird sehr transparent sein, ob uns das gefällt oder nicht." sagte George Colony, Chef des Marktforschungsinstituts Forrester Research, auf dem Seoul Digital Forum. (CIO)

Dabei bezieht sich der zitierte CIO-Beitrag vor allem auf die RFID-Chips. Mindestens genauso spannend dürfte es sein, zu beobachten, welche kulturellen Veränderungen die Fotohandies und das Bloggen mit sich bringen werden. Schließlich wird es immer einfacher, das eigene Leben online in Teilbereichen abzubilden: Privat richtet man sich ein Personal Presence Blog für den Alltag und die Freunde ein. Im Foto-Handy Blog stellt man sofort seine Bilder online und im Corporate Blog zeigt man seine beruflichen Kompetenzen und sucht Business-Kontakte. Auf diese Weise hinterlässt der Blogger zahlreiche Spuren im Netz, die via Suchmaschinen und Montoring-Tools gefunden werden können. Es wird immer schwieriger, hierbei das Private vom Beruflichen zu trennen. Deshalb könnten einige kleine Blogger-Regeln künftig wie folgt lauten:

1. Blamiere Dich nicht.
2. Blamiere Deine Kunden nicht.
3. Blamiere Dein Unternehmen nicht.

>> CIO: Allgegenwärtiges Internet ­ Visionen vom Seoul Digital Forum
>> cyDome: Bernd Reder: Mit Funketiketten Waren und Kunden auf der Spur

Blogger sind Meinungsbildner

Zur Meinungsbildung tragen Weblogs schon heute bei den Online-Lesern erheblich bei. So beurteilen mehr als 50 Prozent der Befragten anhand eines Blog-Beitrags,  die Unternehmen und ihre Produkte oder Marke, heißt es in der Proximity-Studie über "Corporate Blogging". Als Motiv nannten fast 70 Prozent der Blog-Leser, dass sie sich über Trends, News und Meinungen informieren. Mehr als die Hälfte aller Befragten schätzen Weblogs als Quelle sonst nicht auffindbarer Informationen. Beinahe alle Befragen ( 92%) sind der Ansicht, dass sich Unternehmen mit Weblogs auseinandersetzen sollen.

Nicht alle Firmen werden ein eigenes Business Blog aufbauen, doch sie sollten wissen, was über sie und ihre Produkte kommuniziert wird. Denn die Bedeutung von Blogs für die öffentliche Meinungsbildung ist nicht zu unterschätzen, und sie wird zunehmen, weil jeder relativ schnell seine Meinung bloggen kann. Dadurch erhalten die persönlichen Ansichten der Verbraucher mit einem Male ein größeres öffentliches (Blog-)Gewicht. Für Unternehmen wird es umso wichtiger, sich über ihr Image in den Weblogs zu informieren.

Martin Nitsche, CEO von Proximity Germany, kommentiert die Ergebnisse der Studie:

"Auch wenn zur Zeit die Erwartung an eigene Corporate Blogs noch nicht so hoch ist, wird sich diese Haltung mit Sicherheit mittelfristig auch in Deutschland stark ändern. Was bedeutet, dass Unternehmen sich frühzeitig und professionell mit dem Thema Weblogs auseinandersetzen müssen. Weblogs lassen sich nämlich sinnvoll für den Dialog mit den unterschiedlichsten Zielgruppen wie Konsumenten, Kunden und auch Mitarbeiter nutzen." (Proximity Germany, Martin Nitsche)

>> BBDO Presse-Meldung zur Studie

Renate Eck, Eck Marketing

13. Mai 05

VNU-Umfrage unter Blog-Lesern

Im vergangenen Jahr hat die VNU Business Publications GmbH zahlreiche neue Blogs eröffnet. Ich unterstütze den Verlag bei der Umsetzung neuer Blog-Projekte. Deshalb möchte ich Sie auf eine Leserbefragung hinweisen, die wir zurzeit unter den Besuchern der VNU-Blogs durchführen.

>> Blog-Leserumfrage (Preise)
>> VNU Blogs im Überblick

11. Mai 05

PC-Welt warnt Blogger

In der aktuellen PC-Welt wird berichtet, dass Blogger sich nicht im rechtsfreien Raum aufhalten. Das ist nun wirklich nicht weiter verwunderlich. Die Diskussion um Recht und Ordnung im digitalen Zeitalter ist so alt wie das Internet selbst und bringt wenig Neues. Natürlich wird online kein neues Recht gesetzt. Allerdings gibt es anscheinend eine gewisse Unsicherheit, weil sich viele das Recht herausnehmen, sich "anders" zu verhalten, oftmals im fälschlichen Glauben, dass Anonymität vor Strafe schützt. Wer das Urheberrecht der Rechteinhaber verletzt, muss immer damit rechnen, dass es eine Reaktion darauf geben könnte. Das mag nicht immer öffentlichkeitswirksam sein, ist aber nicht selten probates Mittel, um sein Recht auch online durchzusetzen. Aus diesem Grunde sollten Blogger in der Tat darüber nachdenken, ob sie etwas schreiben oder kopieren, was ihren eigenen Interessen zuwider läuft. Sie machen sich angreifbar, wenn sie andere beleidigen, Bilder ungefragt übernehmen und Texte 1:1 kopieren und als "Zitat" im eigenen Blog veröffentlichen.

Natürlich informieren sich die Unternehmen (zumindest grob) darüber, was über sie in Blogs und Foren geschrieben wird.

"Denn die Inhalte von Weblogs sind leicht über Suchmaschinen zu finden - auch von Arbeitskollegen und Freunden. Die Computerexperten raten daher, in Weblogs besser nichts zu schreiben, was man dem Chef oder Bekannten auch direkt sagen würde." (Ots-Meldung der PC-Welt)

Dazu gibt es neben Google noch einige sehr interessante BlogMonitoring-Tools wie Pubsub, Blogpulse und Technorati - um nur einige zu nennen. Einen schnellen Überblick erhält man zudem über Blogstats.

>> Klaus Eck: 10 Millionen Blogs im Monitoring
>> Interview zum Thema: Beobachtung des vormedialen Raums mit Ingrid Moorkens
>> IT Frontal: Viele Blogger setzen auf Mysterien und klauen Content

03. Mai 05

11 Millionen US-Blogger

Neue Zahlen zu der Entwicklung des Bloggens hat am Montag das Pew Internet & American Life Project herausgegeben. Demnach ist die Zahl der erwachsenen US-Blogger bis Ende März 2005 uf 11 Millionen gestiegen.  Im November 2004 waren es erst 8 Millionen. Nicht so rasant entwickelt sich die Zahl der Blog-Leser, was allerdings auf statistische Unschärfen zurückgeführt wird. Interessant sind die Leser-Zahlen auch im Vergleich zu anderen Medien:

"The number of adult readers of blogs is about 40% of the size of the talk radio audience. According to a survey a year ago – May 2004 – by the Pew Research Center for The People & The Press, 40% of all American adults are regular or occasional listeners. And that same survey showed that about 79% of American adults regularly or sometimes read daily newspapers. So, the blog-reading audience is about 20% of the size of the newspaper-reading population." (PEW)

>> PR Blogger: Neue US-Studie erschienen - Januar 2005

Wall Street Journal findet zu wenig Aufmerksamkeit bei Bloggern

Das Wall Street Journal befindet sich in finanzieller Not, weil die Anzeigenerlöse stark zurückgegangen sind. Schuld daran ist die neue Wettbewerbssituation, meint Marc Pitzke auf Spiegel Online. Denn die Kunden schalten ihre Anzeigen inzwischen lieber bei Yahoo, Google oder in lokalen Angeboten. Der Verlag Dow Jones & Co muss damit rechnen, dass die besten Zeiten für die zweitgrößte Zeitung der USA vorbei sind. Hierbei zitiert der Spiegel den Journalismusprofessor Adam Penenberg von der New York University: "Das 'Journal' droht, irrelevant zu werden."

Dabei hat das Wall Street Journal eine sehr gute Online-Präsenz, die allerdings nur für die derzeit 731.000 zahlenden Online-Abonnenten frei zugänglich ist. Mit ihrem Paid-Content-Angebot steht die Online-Zeitung jedoch in direkter Konkurrenz mit vielen frei verfügbaren US-Zeitungen, darunter auch die "New York Times". Paid Content ist eine wichtige Einnahmequelle für den Verlag geworden. Das wirkt sich auf die Wahrnehmung der Marke negativ aus, weil sie faktisch online kaum noch Aufmerksamkeit findet. Bei einer Online-Recherche fehlen Ergebnisse des Wall Street Journals. Kein Wunder, denn der Content wird hinter einer Paid-Content-Barriere verborgen gehalten. Aus diesem Grunde können Blogger auf die meisten WSJ-Artikel  keine direkten Links setzen, was sich in der heutigen Aufmerksamkeitsökonomie sehr negativ auswirkt.

Bloggern kommt im redaktionellen Marketing eine immer bedeutendere Rolle zu, da sie in ihren Weblogs einzelne Artikel kommentieren und empfehlen. Darüber rücken immer mehr einzelne Artikel in den Fokus der Leser. Für den deutschsprachigen Raum gibt es bei Blogstats eine gute Übersicht über die meistverlinkten Nachrichten der letzten 24 Stunden.

Mehr "Wall Street Journal findet zu wenig Aufmerksamkeit bei Bloggern" »

28. April 05

Streiten Blogger gerne?

Den Blog-Enthüllungsjournalismus rückt die Chefredakteurin des Medienmagazins Insight in ihrem aktuellen Editorial ein wenig zurecht. Sie kritisiert in ihrem Beitrag die Streitsucht einiger Blogger und meint, dass diese sich selbst oft viel zu wichtig nehmen. Daran ist viel Wahres. Gleichzeitig sieht sie aber auch das Potenzial des Bloggens.

"Zu jedem Thema findet sich mittlerweile im Netz jemand, der bis aufs Messer mit einem streiten wird. Aber macht das wirklich Spaß und einen wirklich fröhlich? Denn es ist schon erstaunlich, wie sehr man sich über den Angriff einer virtuellen Person aus dem Lieblingsforum ärgern kann. Blogs werden an Bedeutung zunehmen, sei es, weil sie einfach nur Spaß machen und auch manchmal einen mehr oder weniger guten Scoop landen." (Katharina Skibowski, Chefredakteurin des Medienmagazins Insight)

>> Insight-Online: Enthüllungen und Empörungen
>> Eine gute Replik kommt vom Netzjournalist: Sind Blogs verkappte Streithansl

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