Online Reputation Management 4: Die Sängerin 2.0: Verenice
Immer mehr Schauspieler, Sänger und andere Künstler richten sich auf MySpace einen Account ein, stellen Videos auf Youtube oder Sevenload und profitieren insgesamt von den Möglichkeiten des Web 2.0. Verenice steht noch am Anfang ihrer Karriere als Sängerin, ist aber im Social Media-Umfeld sehr aktiv und nutzt das Internet für die Selbstvermarktung sehr geschickt. Grund genug, auch Sie nach Ihrer Reputationsstrategie zu fragen und herauszufinden, wie viele Privates sie online zulässt.
Im Internet habe ich bei Google insgesamt 67.200 Beiträge zu "Verenice" gefunden? Wie erklären Sie sich das?
Verenice ist zwar ein seltener Vorname, aber da in den heutigen Zeiten so viele Menschen ihre Spuren im Web 2.0 hinterlassen, werden nicht mehr nur bekannte Persönlichkeiten über Google gefunden, jeder Hans und Franz oder eben jede Verenice. Das ist gelebte Demokratie! Allerdings sind die ersten Plätze bei Google alle von mir besetzt. Immerhin gibt es sogar einen Link zu einem Online-Verzeichnis für Baby-Vornamen, wo irgendjemand mich witzigerweise als „bekannte Persönlichkeit mit dem Vornamen Verenice“ eingetragen hat.
Sie sind sehr aktiv online unterwegs, haben mehrere eigene Websites, einen Myspace- und Facebook-Account, ein Blog, einen Video-Kanal auf Sevenload und viele andere Dinge mehr. Wie wirkt sich das für Sie aus, wenn jemand Sie kontaktiert? Wissen andere schon alles über Sie?
Zunächst trenne ich klar zwischen privaten und beruflichen Kontakten. Zum Beispiel habe
ich bei MySpace sowohl ein privates als auch ein Musik-Profil. Das
private nutze ich hauptsächlich, um mit meinen Freunden aus den USA, wo
ich zur High School gegangen bin, in Kontakt zu bleiben. Dort füge ich nur wirkliche Freunde hinzu. Auf meiner
MySpace-Musik-Seite adde ich so ziemlich jeden, der eine Anfrage schickt. Dort geht es
darum, den Fans eine Plattform zur Information und zum Austausch zu
geben.
Hingegen sehe ich in dem willkürlichen Sammeln von Kontakten bzw. „Schein-Freunden“ auf privaten Profilen für mich keinen Sinn. Ein Bekannter von mir hat einmal behauptet, er kenne alle seiner 2000 Facebook-Freunde persönlich. Als ich ihm ein paar Namen von denen nannte, konnte er allerdings nichts damit anfangen. Da addet ein Profilierungssüchtiger den anderen... Wenn mir ein Unbekannter eine Facebook-Anfrage schickt, dann frage ich ihn erst einmal, woher wir uns kennen und warum ich ihn bitteschön bestätigen sollte.
Ein anderer Bekannter erwähnt in seinem Twitter-Feed jeden Tag seinen morgendlichen Kaffee und schreibt, was es in der Kantine zu essen gibt. Da frage ich mich, wen das eigentlich interessiert. Dann kenne ich jemanden, der jedes Date auf Twitter bespricht. Naja, da muss man dann wohl wenigstens nicht mehr warten, ob diese Person wohl am nächsten Tag anruft; man kann einfach bei Twitter nachschauen, ob ihm das Date gefallen hat.
Bei meinen knapp 20 Online Accounts ist es natürlich schwierig, den Überblick zu behalten. Hilfreich sind hier die E-Mail-Benachrichtigungen, wenn ich z.B. eine neue Freundanfrage erhalten habe, und Aggregatoren wie Netvibes. In meinem Netvibes Universe sind alle meine relevanten Online-Aktivitäten, die meine Musik betreffen, zusammengefasst. Da steht jetzt aber nichts allzu Privates drin. Durch meine Songs lasse ich sowieso schon so tief in meine Seele blicken, das passt in keinen Tweet.
Allerdings gebe ich online manchmal doch mehr preis, als mir bewusst ist. Als ich z.B. neulich auf einem Flug nach Goa fast ohnmächtig geworden bin, hatte ich meiner Mutter abends am Telefon davon nichts erzählt, weil ich nicht wollte, dass sie sich Sorgen macht; doch ich hatte meine gesamten Reiseerlebnisse in meinem Blog auf freundin.de festgehalten. Ein paar Tage später bekam ich einen Anruf von meiner Mutter: „Was ist da los? Ich habe deinen Blog gelesen...!“
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