Mein Foto

Your email address:


Powered by FeedBlitz

Der PR Blogger

  • Im PR-Blogger erhalten Sie aktuelle Informationen über die neuesten Trends im Online Reputation Management, in der Online-PR- und im Online-Marketing.

    Klaus Eck, der Herausgeber des PR Bloggers, ist Kommunikationsberater und Reputation Manager.
    Er hilft Unternehmen beim Aufbau einer eindeutigen Online-Reputation und bei der Entwicklung von Online-Relations.

    Kontakt:
    Klaus Eck
    Neu: Tel.: 0171-68.8.68.24


    ke (at) imagecapital.de

Social Bookmarks

Friend Connect

10. Juni 09

13 große Social Media Fails

Aus Fehlern kann man sehr gut lernen, aber man sollte sie auch als solche wahrnehmen. Immer wieder entstehen im Web kleine und größere Krisen um Marken und Unternehmen, weil diese Social Media nicht ernst genommen oder einfach ignoriert haben. Eine kleine List der Social Media Fails der jüngsten Vergangenheit (2009 und 2008) habe ich im folgenden zusammengestellt. Die Social Media Krisenliste hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit und darf daher gerne von Ihnen ergänzt werden. Alle Fälle haben im Prinzip gemeinsam, dass zuwenig auf die Online-Kommunikation gesetzt worden ist. Statt sich auf einen Dialog einzulassen, versuchten viele Unternehmen auf herkömmliche Art und Weise zu reagieren und ihr Recht auch juristisch (ansatzweise) durchzusetzen. Nur funktioniert das in der neuen Zeit der digitalen Kommunikation so nicht mehr unbedingt, ohne dass es für sehr viel negative Aufmerksamkeit sorgt.


Krisen-mann-shutterstock_9338266

1. Amazon

Auch der eCommerce-Riese Amazon musste sich aktuell mit großer Kritik aus der Social Media Gemeinde auseinandersetzen. Mehreren Buch- und Filmtitel wurde der Sales-Rank und die Möglichkeit zur Bewertung entzogen. Weiterhin konnten die Titel nur noch gefunden werden, wenn speziell nach ihrem Titel oder Autor gesucht wurde. Betroffen von dieser Maßnahme waren auffällig viele Titel mit homosexuellen Akteuren, die nach Konzernaussagen als "Adult Content" neu kategorisiert und in Folge dessen nur noch unpopulär platziert wurden. Die Maßnahme zog quer durch das Netz, jedoch vor Allem auf Twitter, Entrüstung nach sich. Im Zuge dessen hat sich auf Twitter ein eigenes Hashtag etabliert, um den Vorfall zu beschreiben, dass sich nach wie vor reger Beliebtheit erfreut, um Kritik an Amazon zu äußern: #Amazonfail.

2. Belkin

Anfang 2009 hat der Zubehör-Hersteller Belkin durch Ausschreibungen in Amazons "Marktplatz für Arbeit" Mechanical Turk eine größere Entrüstungswelle ausgelöst: Für 65 Cents pro Eintrag sollte die Bewertung eines USB-Hubs auf Amazon vorgenommen werden - die Schreiber wurden dabei aufgefordert immer eine 100%-Bewertung zu geben, so zu tun als wenn sie das Gerät besitzen würden sowie andere, negative Kommentare als "nicht hilfreich" einzustufen. Ein gewisser Michael Bayard, Mitarbeiter von Belkin, war Auftraggeber hinter den Vorgängen. Sehr schnell griffen die Blogs das Thema auf und hunderte von Kommentaren zeigten die Entrüstung der Leser. Belkin reagierte mit dem Löschen der gekauften Produktbewertungen und stellte eine Stellungnahme online.

3. Deutsche Bahn

Unlängst machte die Deutsche Bahn einmal mehr von sich Reden. Deutsche Medien enthüllten, dass die Bahn unlautere PR-Methoden im Internet eingesetzt hatte, um ihr Image aufzupolieren. Unter anderem wurden bezahlte Beiträge anonym in Internetforen veröffentlicht um Stimmung gegen den damaligen Lokführerstreit zu machen. Inwiefern sich dies langfristig auf die Glaubwürdigkeit der Bahn im Netz auswirkt, wird sich zeigen, mit positiven Effekten ist allerdings kaum zu rechnen. Darüber hinaus hat der alte Bahnchef Mehrdorn auch noch ein kleines Imagedebakel mit deutschen Bloggern erlebt.


4. Domino's Pizza

Die in Amerika und UK ausgesprochen erfolgreiche Pizzarien-Kette zog eine Menge negativer Aufmerksamkeit auf sich, nachdem zwei Mitarbeiter ein Video auf Youtube veröffentlicht hatten, dass sie u.a. dabei zeigt, wie sie während der Zubereitung Popel auf dem Essen verteilen. Zwar erfolgte eine Reaktion von höchster Stelle, jedoch erst mit einiger Verzögerung. So konnte dieses Reputationsdesaster sich frei entfalten und die Marke deutlich schädigen.

5. Electronic Arts (EA)

Vernichtende Amazon-Bewertungen und Blog-Kritik musste EA aushalten, aber es blieb fast jede Reaktion auf die Spore-Kritik aus. Allerdings nahm der Spielehersteller im Rahmen der Krisen-PR den restriktiven Kopierschutz wieder ein wenig zurück.

6. Facebook

Ironischer Weise stand eines der Flagschiffe des Social Webs, Facebook, selbst schon mehrmals im Zentrum der Online-Kritik - u.a. übrigens auch durch Gruppen, die sich auf der eigenen Plattform formieren. Exemplarisch ist beispielsweise die Reaktion auf die Änderungen der Nutzungsbestimmungen, die Facebook Anfang des Jahres in Kraft setzte. Die neuen Bedingungen führten zur offenen Revolte der Nutzer, da sie datenschutzrechtlich sehr fragwürdige Bestimmungen enthielten. Nach anhaltenden Protesten in Blogs, auf Twitter sowie in einer Facebookgruppe selbst (über 70.000 Mitglieder), machte Facebook einen Rückzieher und setzte die alten Bestimmungen wieder in Kraft.

6. Ford

Eigentlich sah für Ford alles gut aus: Im Zuge einer Onlinekampagne stellt der Autohersteller 100 US Bloggern den 2010 an den Markt gehenden neuen Fiesta zur Verfügung, um für 6 Monate Abenteuer mit dem Auto zu erleben und natürlich online darüber zu berichten: Fiesta Movement heißt das Ganze.. Alles verlief ziemlich reibungslos und die Kampagne konnte einen positiven Buzz generieren. Solange, bis Blogger im mittleren Osten - einem der wichtigsten Märkte für Ford - anfingen danach zu fragen, warum sie bei der Kampagne komplett außen vor geblieben waren. Ein unbedachter Kommentar eines Ford-Mitarbeiters verschärfte die Situation nochmals: Er behauptete, dass die Region digital nicht weit genug entwickelt wäre, um den Erfolg zu wiederholen. Die folgenden Beschwerden der dortigen Blogger sollten ihn eines Besseren belehrt haben. Schon in der Vergangenheit hatte Ford nicht immer Glück mit den Online Relations.

7. Kemper Trautmann

Die Werbeagentur Kemper Trautmann war seinerzeit mitverantwortlich für die zu einiger Berühmtheit gelangte Kampagne "Du bist Deutschland". Wenig amüsiert allerdings reagierte die Agentur auf die Initiative des Studenten Alexander Lehmann, der mit seiner Kampagne "Du bist Terrorist" auf die wachsende staatliche Überwachung aufmerksam machen wollte und sich dazu einiger Bezüge auf die "Du bist Deutschland" Werbespots bediente. Kemper Trautmann reagierte in Form einer Abmahnung und drohte gar eine Klage an. Wie zu erwarten, löste dies einen Sturm der Entrüstung innerhalb der Webgemeinde aus, der letzten Endes dazu führte, dass die Agentur einen Richtungswechsel vollziehen musste.

8. Motrin

Der Fall der "Motrin Moms" zeigt eindrucksvoll, wie eine gutgemeinte Werbekampagne von Meinungsführerinnen in das Gegenteil verkehrt werden kann: Mit dem Slogan "We feel your pain" sollte das von Johnson & Johnson hergestellte Medikament für Mütter platziert werden, die ihr Baby auf dem Bauch tragen. Stunden nach Schalten einer Werbe-Animation auf der firmeneigenen Website formulierte sich der Widerstand auf Twitter. Der größte Teil der Kritik richtete sich an das durch die Werbung verbreitete Statement, das Tragen von Babys sei im Trend und Motrin hätte genau das richtige Mittel für die damit verbundenen Schmerzen. Als bloggende Mütter den Fall aufgriffen und bei Youtube die ersten wütenden Videos eingestellt wurden, war Motrin gezwungen die Website offline zu nehmen und sich bei den potentiellen Kundinnen zu entschuldigen. 

9. Ryanair

Die Billigairline ist zwar an Kritik gewöhnt, doch ändert dies nichts an ihrem miserablen Image. Blogger Jason Roe zum Beispiel wurde von Ryanair-Mitarbeitern auf seinem eigenen Blog beschimpft, nachdem er über Fehler in der Buchungsmaske und die vermeintliche Möglichkeit kostenlose Flüge zu buchen gebloggt hatte. So schrieb ein Angestellter: "Jason, Du bist ein Idiot und Lügner!". Dies machte die Runde im Netz und veranlasste Ryanair zu einem offiziellen Statement, das sich so liest: "It is Ryanair policy not to waste time and energy in corresponding with idiot bloggers and Ryanair can confirm that it won’t be happening again."

10. Starbucks

Die bis dato meist gelungenen Social Media-Aktivitäten des Cafékonzerns wurden kürzlich von einerGegenkampagne unterlaufen. Filmmacher Robert Greenwald launchte zeitgleich mit dem Start einer neuen Starbucks Social Media-Kampagne einen kritischen Videoclip mit dem Titel "What do Starbucks and Wal Mart have in common?" und eine dazugehörige Website. Dank des geschickten Einsatzes von Twitter & Co. erhielt das Video einiges an Aufmerksamkeit mit nunmehr über 60.000 Views. Aufhänger der Kampagne sind die Arbeitsbedingungen bei Starbucks und die drohenden Entlassungen einiger Gewerkschaftsmitglieder, die nicht zum Image passen, das Starbucks online aufbauen möchte. 

11. Skittles

Es war zwar ein netter Versuch, der allerdings nach hinten losging. Die Süßigkeitenmarke Skittles launchte eine neue Homepage, auf deren Startseite die neusten Twittereinträge mit dem Wort "Skittles" eingebunden war. Zwar sorgte die Seite für einiges an Aufmerksamkeit, jedoch nicht zwangsweise positiver Natur: Viele Twitterati machten sich einen Spaß daraus 'Skittles' in einem möglichst negativen Kontext zu twittern. Besucher von www.skittles.com wurden mit den Ergebnissen konfrontiert und hatten allen Grund sich zu wundern.

12. SPD

Als es in der SPD hoch herging, weil Andrea Ypsilanti in Hessen aus Reihen der eigenen Partei nicht die nötige Stimmenzahl bekam, um zur Landeschefin gewählt zu werden, herrschte Schweigen auf Andrea Ypsilantis Website. Während der Server unter der Anfragelast zwar zusammenbrach, war nichts über aktuelle Vorkommnisse zu lesen. So tobte die Debatte im Netz und in den Medien, während eine Online-Reaktion auf sich warten ließ.

13. Vattenfall

Eigentlich wollte Vattenfall mit seiner "Klimaunterschrift" Kampagne das Markenimage verbessern und sich als ökologisch engagiertes Unternehmen positionieren. Allerdings ging der Schuss massiv nach hinten los: Von vielen Seiten hagelte es Vorwürfe, es handele sich einzig und allein um Greenwashing. Allen voran machte Greenpeace gegen die Kampagne mobil, indem es eine Rouge-Website zwecks Negative Campaigning aufsetzte, die Facebook-Gruppe der Kampagne enterte und die Vattenfall-eigene Website mit einigen kritischen Kommentaren schmückte. Statt auf Online-Kommunikation zu setzen, zog sich der Energiekonzern lieber zurück. Es hätte schon wenige Reaktionen genügt, um die Kritik aus der Aufmerksamkeit zu nehmen.

Es gibt sicherlich noch viele weitere bekannte Social Media Fails? Kennen Sie weitere Beispiele, in denen Marken sich online nicht von ihrer besten Seite gezeigt und einiges falsch gemacht haben?

>> Web Strategy: A Chronology of Brands that Got Punk’d by Social Media
>> Brouhaha: Der Podcast rund um Social Media Aufreger 
>> Revolutionmagazine: Twitter FAIL! The 8 worst brands on the world's hottest microblog 

Klaus Eck

02. Juni 09

Verdeckte Bahn-PR

Wer auf heimliche PR und Forenmanipulation setzt, darf sich über die negativen Reaktionen in der Öffentlichkeit nicht wundern. Kein Unternehmen sollte auf fingierte Einträge in Bewertungsportalen, Foren oder Blogs setzen. Das zahlt nicht wirklich positiv auf die eigene Reputation aus und erweist sich schnell als Bumerang, wenn es dann doch herauskommt. Ein digitales Makeup lässt sich leicht entfernen. Im Zeitalter der Radikalen Transparenz kommt (tendenziell irgendwann) alles raus. Große Geheimnis lassen sich nur schwer unterdrücken. Das zeigt sich deutlich beim jüngsten PR-Skandal der Deutschen Bahn, der den Daten- und E-Mail-Affären folgte.

Zug-crash-shutterstock_11267617 1,3 Millionen Euro hat die Deutsche Bahn an eine Agentur bezahlt, um etwas für ein besseres öffentliches Image zu tun. Ein Reputation Management ist an für sich der Job jeder Kommunikationsagentur und noch nicht per se etwas Schlechtes. Doch natürlich stellt sich die Frage, wie glaubwürdig eine Öffentlichkeitsarbeit ist, die bewusst auf geschönte Berichte setzt und unter Agenda Setting das bezahlte Platzieren von Inhalten in Radio und Internet-Foren versteht. Eine "verdeckte Beeinflussung der Öffentlichkeit" schadet der Unternehmensreputation. Viel besser ist es immer, wenn man "echte" Menschen für sein Anliegen gewinnen und der glaubwürdige Unterstützung (unbezahlt) erhält. Was ist von zahlreichen Kommentaren in Foren und Blogs zu halten, wenn diese nur anonym und ohne jeder Verifizierungsmöglichkeit erfolgt ist?

Es ist nur konsequent, wenn der neue Bahn-Chef Dr. Rüdiger Grube diese PR-Maßnahmen entschieden ablehnt und sich direkt nach dem PR-GAU von seinem Generalbevollmächtigten für Kommunikation und Marketing, Ralf Klein-Bölting, trennte. In einer Pressemitteilung nahm der Vorstandsvorsitzende am 28. Mai 2009 Stellung zu den Vorwürfen:

"Diese Form der PR-Maßnahmen lehne ich entschieden ab. Solche Aktivitäten sind mit dem Grundsatz eines transparenten und redlichen Dialogs mit der Öffentlichkeit in keiner Weise vereinbar. Ich werde umgehend im Unternehmen die notwendigen Konsequenzen daraus ziehen, um auch hier den zugesagten Neubeginn in der Unternehmenskultur zu dokumentieren."

Laut SZ soll das Geld an die Berliner PR-Firma European Public Policy Advisers (Eppa) geflossen sein, die wiederum die Berliner Agentur Berlinpolis im Jahr 2007 mit Umfragen und Meinungsbeiträgen für die Bahn beauftragt habe. Berlinpolis streitet einige der Vorwürfe ab und hat dazu am 29. Mai eine eigene Presseerklärung herausgegeben. Interessanterweise kann jeder die PM sogar kommentieren, auch wenn bislang davon niemand Gebrauch gemacht hat.

Dennoch heißt es im Lobbycontrol Blog weiterhin:

"Berlinpolis griff 2007 massiv in die Debatte um die Bahnprivatisierung ein – ebenso in den Tarifkonflikt zwischen der Bahn und der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL). Insbesondere publizierte die Denkfabrik mehrere Meinungsumfragen zur Bahnprivatisierung und zum GDL-Streik, die zu bahnfreundlichen Ergebnissen führten und so in den Medien aufgegriffen wurden." (28. Mai 2009)

"Es ist bedauerlich, dass Berlinpolis und Daniel Dettling mit dieser Stellungnahme den Weg des Abstreitens einschlägt statt endlich die eigene Verstrickung in die verdeckte PR der Deutschen Bahn AG einzuräumen und die eigenen Fehler einzugestehen." (30. Mai 2009)

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG hat nach den Angaben des Spiegels vom 29. Mai im Rahmen der von Bahn-Chef Grube angeordneten Sonderprüfung herausgefunden, dass die Deutsche Bahn auch Online-Foren regelrecht unterwandert habe, um die öffentliche Meinung für den Bahn-Börsengang und gegen den Lokführerstreik zu mobilisieren. Hierfür soll die Allendorf Media verantwortlich gewesen sein. Von 2.400 Beiträgen in den Spiegel-Bahnforen seien rund ein Viertel der Postings verdeckt im Auftrag der Bahn erfolgt.

Mir hat besonders die Art und Weise gefallen, wie der neue Bahnchef Grube momentan Krisen-PR betreibt. Gibt es einen besseren Zeitpunkt, öffentlichkeitswirksam eine Steuerentlastung der Bahn von der Politik zu fordern? Zumindest stellt es einen wirksamen Versuch dar, die Aufmerksamkeit auf ein anderes positives Thema zu lenken und damit wieder die Reputation online wie offline zu verbessern. In einer Krisenzeit ist es durchaus populär, ein umweltfreundliches Verkehrssystem von der Mehrwertsteuer zu befreuen, vorausgesetzt die Deutsche Bahn würde das an die Reisenden weitergeben.

>> Lobbycontrol: Berlinpolis streitet ab - aber nicht den Kern: die Verwicklung in die PR-Affäre der Deutschen Bahn AG
>> Spiegel: Bahn manipulierte Internet-Foren
>> Meedia: Dubiose Bahn-PR: die Tricks von Berlinpolis
>> Horizont: GPRA wehrt sich gegen Schmuddelimage von Public Relations
>> PR Blogger: Das Image-Debakel der Deutschen Bahn im Umgang mit Bloggern 
>> Süddeutsche Zeitung: PR-Skandal bei der Deutschen Bahn 
>>Lobbycontrol: LobbyControl enthüllt verdeckte PR-Aktivitäten der Deutschen Bahn 

Klaus Eck

08. Mai 09

Twitter in der Krisen-PR für Gmail und Prezi

Für 20 Minuten stand heute Gmail seinen Nutzern weltweit nicht zur Verfügung, das ist für viele ein großes Ärgernis gewesen. Wer davon alles betroffen war und wie die Reaktionen ausfielen, darüber konnte sich jeder Twitterer sehr schnell via Twittersuche informieren. Als erstes will jeder in einer solchen Situation erfahren, ob man selbst etwas falsch gemacht hat oder ob auch noch andere von der Nichterreichbarkeit des Mailaccounts betroffen sind. Ein kurzer Blick auf die eigenen Twitter-Kontakte genügte mir, um herauszufinden, dass es ein allgemeines Problem war:

Prezi-116

Prezi-117

Prezi-118

Doch bevor ich mich fragen konnte, wie sich das auf meine Arbeit negativ auswirken könnte, entdeckte ich einige beruhigende Tweets von Stefan Keuchel, Google-Pressesprecher Deutschland, der in einer ersten schnellen Reaktion deutlich machte, dass er sich dem Problem animmt. Kurze Zeit später konnte man als Gmail-User zum Glück schon wieder beim Frischkoop eine Entwarnung lesen:

Prezi-120


Aber auch andere Unternehmen haben die Twitter-Krisen-PR für sich schon entdeckt. Seit einigen Monaten nutze ich für meine Vorträge das Präsentationstool Prezi. Bis vor kurzem stand es nur als Online-Editor zur Erstellung von Präsentationen zur Verfügung. Ich nutze zum Glück seit einiger Zeit in der Premiumvariante als Offline-Editor. Aber dennoch gab mir eine Blog-Meldung des Softwareanbieters zu denken: 

Prezi-123

Rund zwei Tage mussten viele Prezi-Anwender auf ihren Online-Zugang warten und waren entsprechend entnervt. Das führte zu einigen Blogkommentaren und sicherlich zu zahlreichen Anrufen und E-Mails bei Prezi. In dieser Krisenzeit startete Prezi einen Twitter-Kanal, über den es seine Kunden auf den Laufenden hielt. Das beruhigte ungemein und führte sicherlich zu weniger Nachfragen, sparte mithin Zeit und Geld. Als Nutzer will ich möglichst frühzeitig erfahren, wann das Tool wieder verfügbar ist. Prezi vermittelte mir via Twitter genauso wie Google ein gutes Gefühl:

Prezi-122

Prezi-124

Nachdem die technischen Problem gelöst worden sind, offerierte Prezi seinen Nutzern sogar ein Upgrade als Entschädigung. Das twitterte und bloggte das Unternehmen und ging souverän mit allen Social Media Kanälen um.

Mir hat die Souveränität, in der sowohl Google wie auch Prezi mit ihren Online-Problemen umgegangen sind, sehr gut gefallen. Sie zeigen letztlich das Potenzial der Online-Kommunikation in einer Krise auf. In Zukunft wird die PR nicht umhin kommen, sich mit den neuen Kommunikationsmöglichkeiten auseinandersetzen, ansonsten geht sie nicht nur Risiken ein, sondern verpasst auch Chancen, die sich aus der direkten Kundenkommunikation ergeben und gelebtes Dialogmarketing darstellen.

Kennen Sie noch einige weitere aktuelle Beispiele, in denen Unternehmen Social Media in der (kleinen oder großen) Krise gut eingesetzt haben?

>> Wortkomplex: Das twitternde Hotel - Tourismus 2.0

Klaus Eck

18. Februar 09

Facebook fügt sich der digitalen Mehrheit

Wenn ein Social Network seine Geschäftsbedingungen- oder Privacy-Bedingungen ändert, ist das ein höchstsensibler Vorgang, der schnell in die Krise führen kann. Denn viele Social Networker sehen ihr Online-Profil als ihr (privates) digitales Wohnzimmer an. Das hat in den vergangenen Tagen das Social Network Facebook erfahren dürfen. Facebook behielt sich durch die neuen Nutzungsbedingungen das Recht vor, alle von einem Mitglied einmal erstellten Daten, Fotos und Videos weiterhin nutzen zu dürfen, selbst wenn jemand seinen Account löscht. Darüber haben sich viele Mitglieder aufgeregt und ihren Unmut im Web freien Lauf gelassen. Eine Freundschaftsanfrage, die ich heute erhalten habe, spricht Bände: "Wollen wir Freunde werden trotz der erschreckenden Facebook-Meldungen?"

Es gab allein auf Facebook eine Gruppe mit mehr als 76.000 Mitgliedern, die gegen die neuen Nutzungsbestimmungen protestierten. Einige Tage lang war die (kleine) Facebook-Krise in den Blogs und auf Twitter eines der Top-Themen. Das führte dazu, dass Facebook sofort Stellungsnahmen veröffentlichte und versuchte, die Empörung und Gegenreaktionen einzudämmen. Noch bevor sich CEO Mark Zuckerberg auf dem eigenen Blog zu den Änderungen der Nutzungsbedingungen äußerte, versuchten einige Facebook-Mitarbeiter (vergeblich) die "Brandherde" der Diskussion zu löschen. Im Blog "The Consumerist", der die Diskussion um den Besitz der Daten bei Facebook eigentlich anstieß, fand sich einen Tag nach der Veröffentlichung des Original-Postings schon eine Stellungnahme, die Facebooks Position verdeutlichte. Die Facebook-Macher nahmen in der Krisensituation frühzeitig Kontakt mit Bloggern und Journalisten auf (The Industry Standard). Doch das Frühwarnsystem und das gute Social Media Monitoring konnte nur das digitale Feuer sichtbar machen. An den Issues und der Kritik selbst konnte es zunächst wenig ändern.

Nachdem alle Erklärungsversuche für die Änderung der Terms of Service den Zorn der Facebook-Mitglieder und Öffentlichkeit nicht wirklich mindern konnten und die digitale Kritik immer größere Ausmaße annahm, trat Facebook den offenen Rückzug an und stellte kurzerhand die alte Version der Nutzungsbedingungen wieder her. In einem Blog-Artikel erläutert CEO Mark Zuckerberg sein Vorgehen:

"Many of us at Facebook spent most of today discussing how best to move forward. One approach would have been to quickly amend the new terms with new language to clarify our positions further. Another approach was simply to revert to our old terms while we begin working on our next version."

Facebook gibt also notgedrungen nach und zeigt sich einsichtig. Es will die Formulierung, die letztendlich zum Disput geführt hat, überarbeiten. Das Social Network zeigt sich dadurch offen für seine Kritiker und will bei künftigen Entscheidung nach stärker auf seine Mitglieder hören. Dazu hat Facebook sogar eine eigene Gruppe eingerichtet.

Damit wird das Network für seine Nutzer ein wenig transparenter. Wer als Community still und leise die AGB's ändert, dem schlägt naturgemäß Misstrauen entgegen. Es wäre sicherlich schlauer gewesen, auf die Sensibilität von Datenschützer und der eigenen Mitglieder mehr Rücksicht zu nehmen. Denn wirklich verwundert sein sollte Facebook angesichts der lauten Kritik nicht. Schließlich hat Facebook zuvor schon einige Erfahrungen in der Krisen-PR zu den Privacy-Einstellungen oder mit der Online-Werbungauf Profilen (Mitglieder als Testimonials) machen können.

>> Facebook Gruppe: How to permanently delete your Facebook-Account
>> Facebook Gruppe: People against the new TOS
>> Facebook Blog:On Facebook, People Own and Control Their Information
>> The Industry Standard - Facebook: "We have never claimed ownership" of members‘ content
>> Consumerist.com - Facebooks new Terms of Service: "We can do anything we want with your content, forever"
>> Consumerist.com - Facebook clarifies terms of service "We do not own your stuff forever"
>> Facebook Bill of Rights and Responsibilities
>> Spiegel: Facebooks AGB Ärger

Klaus Eck

04. Februar 09

Das Image-Debakel der Deutschen Bahn im Umgang mit Bloggern

Wie mache ich mich am schnellsten in der Online-Öffentlichkeit unbeliebt? Den ersten Preis in diesem Wettbewerb hat die Deutsche Bahn in den vergangenen Tagen sicherlich mit einer Blogger-Abmahnung gewonnen. Ohnehin steht die Deutsche Bahn schon in der öffentlichen Kritik, weil sie ihre Mitarbeiter ausgespäht hat. Es gibt kaum ein Medium, dass sich den Datenskandal entgehen lässt. Als wäre das negative Issue noch nicht genug, legt sich das Unternehmen auch noch mit der Blogosphäre an, indem es Markus Beckedahl von Netzpolitik.org ein Abmahnungsschreiben zusendet, weil dieser in der vergangenen Woche ein internes Memo zur Mitarbeiter-Rasterfahndung bei der Deutschen Bahn veröffentlicht hat. Doch wer bereits im Glashaus sitzt und von der Öffentlichkeit kritisch beäugt wird, sollte in der Kommunikation besonders vorsichtig agieren. Ist der Ruf der Kommunikation aufgrund eines Vertrauensmissbrauchs erst ruiniert, dauert es mitunter sehr lange, bis ein Unternehmen wieder Vertrauen aufbauen kann.

Dem Politik-Blogger wird von dem Konzern Verrat von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen vorgeworfen. Er hat ein internes Dokument des Berliner Landesdatenschutzbeauftragten vollständig als PDF seinen Lesern "zur allgemeinen Begutachtung online" gestellt. Von einem Zitieren konnte daher wirklich keine Rede mehr sein. Dennoch hätte die PR-Abteilung der Bahn geschickter agieren können und ihn direkt per Telefon in einem Gespräch zum Entfernen der Dokumente auffordern können. Selbst wenn Beckedahl darauf nicht eingegangen wäre, hätte man es zumindest kommunikativ versucht und die negativen Imageeffekte für die Deutsche Bahn vermieden. Nachdem Beckedahl die Abmahnung erhalten hat, stellte er diese ebenfalls seiner Leserschaft zur Verfügung. Dadurch erhielt das umstrittene Dokument zum Datenskandal wesentlich mehr Öffentlichkeit, als es der Deutschen Bahn lieb sein konnte. Darüber hinaus präsentierte sich der Konzern eher als unnahbarer Koloss, der sein Recht massiv einfordert.

Vermutlich haben die Kommunikationsverantwortlichen zu wenig Einblicke in die deutsche Bloggerwelt gehabt, ansonsten hätten sie durch einen einfachen Blick auf die Deutschen Blogcharts, auf der Netzpolitik.org immerhin auf Platz 5 steht, erahnen können, was sie nach so einer Abmahnung an Solidarisierungseffekten auslösen. Es gibt wenige Blogger und Twitterer, die so gut vernetzt sind wie Markus Beckedahl. Deshalb konnte dieser es sich auch leisten, die Abmahnung selbst öffentlichkeitswirksam der Blogosphäre und Medienwelt zu präsentieren. Tausende Blogger und Twitterer haben sich inzwischen mit ihm solidarisiert und auf den neuen Bahn-Fall verwiesen. Dabei sind die Sympathien eindeutig zu seinen Gunsten verteilt.

09-119

09-120

In einem Interview auf der Zeitrafferin meinte der Blogger: "Es dürfte für die Online-Reputation der Deutschen Bahn AG nicht gerade dienlich sein, so gegen mich vorzugehen. Man sollte auch bedenken, dass das von mir veröffentlichte Memo bis dato wenig Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte. Aber nun lesen es sehr viele Menschen. Und finden gleichzeitig die Abmahnung unverhältnismäßig."

Dem kann ich mich als Kommunikationsberater nur anschließen. Denn die Blogger und andere Influencer haben den Fall (fast schon) dankbar aufgenommen und schreiben eifrig über die Angriffe des Goliaths Bahn auf David Markus (siehe unten). In kürzester Zeit haben auch die Mainstream-Medien den neuen Krisenfall aufgenommen und die Kanonade der Bahn auf den virtuellen Spatzen verurteilt.

Beckedahl zeigt sich zufrieden mit der Solidarität im Netz: So schreibt er auf Netzpolitik.org: Das "Feedback aus dem Netz ist überwältigend. Mir war bewusst, dass ich irgendwann mal Probleme bekommen könnte mit der Veröffentlichung eines Dokumentes. Aber mir war auch bewusst, dass ich dann Rückhalt bekomme, indem ich es öffentlich mache und transparent die Geschichte beschreibe. Das hat bisher besser geklappt, als ich es im Hinterkopf immer gedacht habe. Ich bin stolz auf Euch und Eure Hilfe dabei!"

10 Tipps für das aktive Online Reputation Management der Deutschen Bahn

Unternehmen sollten beim Umgang mit Bloggern und anderen Influencern immer auf folgende Punkte achten, wenn sie ihre Online-Reputation nicht gefährden wollen:

  1. David hat immer Recht - und die Macht der Onliner auf seiner Seite, egal wie sich ein Fall juristisch darstellen mag.
  2. Nehmen Sie alle Influencer (Multiplikatoren) ernst, ansonsten sind die Kosten für Ihre Online-Reputation manchmal sehr hoch. 
  3. Wer sofort auf das Instrument "Abmahnung" setzt, verzichtet auf alle weiteren Kommunikationsmöglichkeiten. 
  4. Wer per E-Mail digitale Spuren hinterlässt, wird schnell wieder mit diesen konfrontiert. Deshalb rufen Sie lieber direkt beim Blogger an und versuchen Sie sich in einem Gespräch mit diesem zu einigen.
  5. Wer bereits negative Reputationswerte aufweist (Stichwort: Datenaffäre) sollte besonders vorsichtig agieren, weil die Öffentlichkeit alles sofort in dem negativen Kontext betrachten wird. 
  6. Es gibt keine interne Kommunikation mehr. Alles kommt irgendwann raus. 
  7. Je mehr Geheimnisse ein Unternehmen zu verbergen scheint, desto interessanter ist es für viele Menschen, diese der Öffentlichkeit zu präsentieren. 
  8. Eine abstrakte Organisation gerät schnell in die Kritik, wenn sie sich unnahbar und unmenschlich zeigt. Schließlich greifen die Kritiker keine Personen an. 
  9. Je mehr Sie als Unternehmen auf die persönliche Kommunikation einzelner Mitarbeiter setzen, desto glaubwürdiger können Sie kommunizieren. Menschen bauen leichter Vertrauen auf.  
  10. Märkte sind Gespräche. Daran können Unternehmen nichts ändern. Aber sie können durch ihre Influencer die Mundpropaganda in ihrem Sinne nutzen und Teil des öffentlichen Diskurses werden, wenn sie sich darauf einlassen und ihren Mitarbeitern vertrauen. 

>> Spiegel: Blogger-David trotzt Bahn-Goliath 
>> Medien übernehmen das Thema Abmahnung - Google News 
>> Unterstützung auf Twitter 
>> Viele Blogreaktionen
>> Julia Seeliger - Zeitrafferin: Interview mit Markus Beckedahl von netzpolitik.org zur Abmahnung durch die Deutsche Bahn 
>> Meedia: Deutsche Bahn blamiert sich mit Abmahnung
>> Netzpolitik: DAS MEMO ZU DER RASTERFAHNUNG BEI DER DEUTSCHEN BAHN
>> Netzpolitik: DIE WELLE NACH DER ABMAHNUNG

Klaus Eck

07. November 08

Social-Media-Gefahren: Greenpeace übernimmt Vattenfalls Facebook-Angebot

Es ist für ein Energieunternehmen nicht leicht, eine erfolgreiche Social-Media-Kampagne aufzubauen. Schließlich können die Online-Maßnahmen in diesem politisch brisanten Umfeld (Stichworte: AKW, Kohle) sehr viele Emotionen entfachen. Vattenfall hat bei seiner Aktion mit der Klimaunterschrift anfangs auf jegliche Kommentarmöglichkeiten verzichtet und erhält inzwischen viele harsche Reaktionen auf der eigenen Site. Außerdem gibt es ein offizielles Facebook-Angebot von Vattenfall, in dem jeder eigene Fotos und Texte einstellen kann.

Sep08127_2Das haben bislang erst wenige Facebook-Mitglieder für sich entdeckt. Dennoch zeigt der Stromanbieter hiermit eine offene Flanke in der Online-Kommunikation und macht sich unmittelbar angreifbar. Bislang reagiert er auf die kritischen Anmerkungen im eigenen Facebook-Bereich auch nach mehreren Tagen noch nicht und lässt zu, dass Greenpeace-Aktivisten und andere Kritiker das kleine Social-Media-Angebot quasi übernommen haben.

 

Sep08124_4 So meint Claudia Sommer, Webmanager bei Greenpeace: "Ich bin über die Vattenfall-Website auf den Facebook-Account gestoßen und fand es wunderbar, dass es möglich ist, einige kritische Kommentare direkt auf einer Vattenfall-Seite zu hinterlassen. Das haben wir dann auch gleich gemacht."

Neben einem kurzen Text hat sie auf Facebook Bilder und ein Video eingestellt, auf dem einige Greenpeace-Aktivisten sich kritisch mit Vattenfall auseinandersetzen. Außerdem verweist sie auf dem Pinboard mit einem Link direkt auf die etwas andere Klimaunterschrift-Website von Greenpeace.

 Sep08125_4 Der Umweltverband lässt sich die interaktiven Chancen nicht entgehen und verstärkt seit gestern mit einem YouTube-Video den öffentlichen Druck im Internet auf Vattenfall. Dieses Video hat Greenpeace auch in den Facebook-Auftritt Vattenfalls als "Fan-Video" eingestellt:

Schon beim Beginn der Social-Media-Kampagne machte Vattenfall einen strategischen Fehler, indem das Energieunternehmen die Webadresse klimaunterschrift-vattenfall.de nicht selbst zumindest als Weiterleitungsadresse angemeldet hat.  Damit machte es seinen Kritikern sehr leicht, unter dieser Adresse ein Anti-Campaigning aufzubauen.

Bei aller Kritik halte ich grundsätzlich den Ansatz des Energiekonzerns für richtig, sich der Kommunikation mit Gegnern wie Freunden zu öffnen. Allerdings sollte man nie einen einmal aufgebauten Online-Bereich einfach anderen überlassen. Ohne aktives Community Management funktionieren die Social Media Aktivitäten in der Regel nicht. Das ist immer personalintensiv, schützt dann aber auch in der Krise vor Angriffen. Warum hat Vattenfall bislang noch nicht auf die Angriffe reagiert? Keine Reaktion ist auch ein Statement und schützt vor weiteren Anfeindungen nicht unbedingt.

Wenn ein Unternehmen sich auf das Social Media Marketing einlässt, sollte es unter anderem immer folgende 8 Social-Media-Tipps berücksichtigen:

1. Die Kunden können und wollen im Web 2.0 auf Fragen antworten. Somit entsteht ein neuer Kommunikationskanal zum Unternehmen.

2. Wenn ein Unternehmen nicht selbst Feedback-Möglichkeiten einräumt, wird es für unzufriedene Konsumenten auch alternative Chancen geben, im Web aktiv zu werden. (Beispiel: Spore)

3. Jedes Social Media-Angebot benötigt adäquate personelle Ressourcen und ein aktives Community Management. Ansonsten sind "Übernahmen" sehr schnell möglich.

4. Auch wenn ein Social-Media-Angebot nur ganz klein und unbedeutend sein mag, kann es auf die gesamte Marke ausstrahlen und von Journalisten und Blogger entdeckt werden. Daraus entsteht sehr schnell ein Krisen-Issue.

5. Ohne Krisen-Szenario scheitert eine Social-Media-Kampagne sehr schnell.

6. Von selbst wird eine Online-Aktion nicht unbedingt bekannt. Die meisten Aktionen entfalten nicht aus sich selbst heraus eine virale Wirkung. Deshalb müssen sie aktiv promotet werden. Ohne Community Buildung funktioniert es nicht.

7. Das Web vergisst nichts. Alle Aktionen sind auch noch viele Jahre später sichtbar.

8. Die Echt-Zeit-Kommunikation des Webs stellt eine völlig neue Herausforderung für die Organisationsstrukturen eines Unternehmens dar und verlangt nach neuen Antworten, damit man dem gewachsen ist.

>> PR Blogger: Greenpeace und Vattenfall setzen auf die Macht der Konsumenten (3. November 2008)

Update: Seit dem 10. November 2008 ist es nicht mehr möglich, auf Facebook textuelle oder bildliche Antworten zu hinterlassen. Das Greenpeace-Video wurde inzwischen sogar entfernt, nicht aber die kritischen Texte auf dem Pinboard. Deshalb dürfte der eine oder andere Energiekonzern-Kritiker sicherlich von Zensur sprechen. So weit würde ich nicht gehen, aber warum stellt Vattenfall nicht einfach neue Texte, Bilder und Videos ein, dann wäre die Kritik auf Facebook ohnehin nicht mehr so präsent. Es wirkt ein wenig wie eine Kapitulation, wenn das Energieunternehmen nicht einmal auf die wenigen Kommentare richtig reagieren kann. Schade, eine Kommunikationschance blieb ungenutzt.

Klaus Eck

01. Februar 08

Was ist Reputation wert?

Wer Klaus Ecks Karneval-Blog zur Reputation liest, dürfte eine Menge Tipps mitnehmen, mit wie wenig Aufwand auch zu närrischen Zeiten die persönliche Reputation nicht auf der Strecke bleibt. Wer etwas mehr Zeit und Geld investieren möchte, kann sich auch den Gerhart-Polt-Film "Kehraus" anschauen. Dort werden die Zusammenhänge zwischen kollektiver Faschings-Zwangsenthemmung und dem Zynismus oberer sowie unterer Chargen eines Versicherungskonzern auf herrliche Art bloßgestellt. Doch Schluss mit dem Kulturbeitrag, zurück zum wirklichen Leben, das nach dem Karneval und dem südlichen Fasching bald wieder losgeht.

Klaus Ecks Beitrag provoziert mich zu der Frage: Ist Reputation umsonst. Gibt es sie kostenlos, etwa in Finnland?

Klar, der Anlass des Blogs ist vor allem das Verhalten von Nokia, das zumindest zeitweilig in der öffentlichen Meinung einen immateriellen Image-Wert vernichtet. Vielleicht auch materielle Werte, wenn in Deutschland die Umsätze mit Nokias Mobiltelefonen einbrechen. Das dürfte, so wie die Nokia-Verantwortlichen hier vorgegangen sind, tatsächlich das einzige Argument sein, das in der Konzernspitze überzeugt. Allerdings ist dies angesichts der Sturheit, wie hier einseitig kostenorientierte Entscheidungen getroffen werden, eine eher müßige Diskussion.

Viel interessanter wäre eine Diskussion, würden solche Entscheidungen auch fallen, wenn alternativ zur kaufmännischen und der politisch korrekten Umweltbilanz Konzerne auch eine Bilanz über Kosten und Wert von Image und Reputation ihren Aktionären darlegen müssten? Freilich werden regelmäßig von berufenen und unberufenen Organisationen die Werte von Marken geschätzt, was aber eher nach dem Motto geschieht: "Wer ist die/der schönste auf der Welt?"

Mehr "Was ist Reputation wert?" »

06. September 07

iWar der Fans gegen Apple?

Wenn ein IT-Hersteller seine Produktpolitik ändert, hat das manchmal große Auswirkungen auf das Image des Unternehmens, besonders wenn dieses eine engagierte Community aufweist. Das musste Apple einmal mehr erkennen, nachdem eine radikale Preisenkung für das iPhone auf harsche Kritik in der eigenen Fangemeinde stieß.

Nach nur 68 Tagen hat Apple den Handy-Preis für das iPhone um 200 Dollar reduziert. An für sich eher ein Grund zur Freude für die Konsumenten, könnte man meinen. Doch einige Apple-Fans, die sich frühzeitig für das Produkt entschieden haben und den höheren Preis gezahlt haben, sehen sich jetzt abgezockt und kritisieren daher das US-Unternehmen in ihren Blogs harsch. iPhone gehört daher zu den Topsuchen auf der Blogsuchmaschine Technorati.

Dabei handelt es sich hierbei nur um Marktgesetze und die Hoffnung auf ein großes Weihnachtsgeschäft. Wenn die Nachfrage groß ist, kann ein Unternehmen auch einen höheren Produktpreis am Markt durchsetzen. Die Preise für Handys, Notebooks, PCs und andere IT-Produkte sind seit vielen Jahren im freien Fall. Dennoch ist es immer wieder schwierig, die Unternehmenspolitik der eigenen Markencommunity zu verdeutlichen, zumal die Apple-Jünger es als ihr eigenes Produkt ansehen. Early Adoptors bezahlen in der Regel immer den höheren Preis für ihre Community-Rolle. Der Aktienkurs gab sicherlich nicht wegen der Blogger-Kritik nach, sondern ist vermutlich die Folge der gesunkenen Erwartungen der Aktionäre.

Update von 22:00 Uhr: Nachdem der CEO Steve Jobs Hunderte von E-Mails erhalten und die Berichte in der Blogosphäre und den Medien wahrgenommen hat, reagiert er jetzt direkt im Rahmen der Krisen-PR in einem offenen Brief an die Apple Community. Dabei macht er das einzig Richtige in einer solchen Situation. Er bietet den enttäuschten iPhone-Kunden eine Abschlagszahlung als Coupon auf alle Apple-Produkte an:

"Therefore, we have decided to offer every iPhone customer who purchased an iPhone from either Apple or AT&T, and who is not receiving a rebate or any other consideration, a $100 store credit towards the purchase of any product at an Apple Retail Store or the Apple Online Store. ... We want to do the right thing for our valued iPhone customers. We apologize for disappointing some of you, and we are doing our best to live up to your high expectations of Apple." (Apple.com: Steve Jobs: To all iPhone customers)

Dabei hat sich sein Tonfall gewaltig verändert: Noch gegenüber der Zeitung "USA Today" hatte sich der Apple-Chef zuvor anders zur Preissenkung geäußert: "Das ist eben Technologie. Wenn sie es heute morgen gekauft haben, solllten sie dorthin zurückgehen, wo sie es gekauft haben und mit den Leuten dort reden. Wenn sie es vor einem Monat gekauft haben, tja, das passiert eben mit Technologie." (zitiert nach Spiegel Online). Manchmal sollte man vor einer Änderung der Produktstrategie auch an seine loyalsten Fans denken und es vermeiden, diese zu vergraulen.

>> Spiegel Online: Erboste Fans erklären Apple den iWar
>> Manager Magazin: iPhone wird billiger - Aktie gibt nach
>> "The Register" über den Preisrutsch
>> fscklog: Deutliche Preissenkung beim iPhone
>> Marvins Sicht: Sehr geehrter Herr Jobs
>> Puzich.com: 200-Dollar-Nutte
>> mac systempflege: Erfreuliches vom iPhone

Klaus Eck

09. August 07

IKEA versus IKEAhacker

Je bekannter Blogs von Fans werden, desto eher müssen sie damit rechnen, eine breitere Öffentlichkeit zu erreichen. Manchmal wird den Unternehmen erst dann bewusst, dass es engagierte Kunden gibt, die sich für die Marke auch online einsetzen. Vor kurzem ist IKEA gegen den Betreiber des Blogs Ikeahacker.de vorgegangen und hat dafür gesorgt, dass Thomas Meyer sein Blog nach einigen Monaten wieder geschlossen hat. Damit will der 44-Jährige Mitarbeiter einer Wiesbadener Mediaagentur einen Rechtsstreit vermeiden. In seinem Blog hat er regelmäßig neue Ideen für die Nutzung und Umfunktionierung von IKEA-Produkten vorgestellt, die über die reine Bauanleitungen hinausgingen.

Gegenüber der Frankfurter Rundschau erklärte der IKEA-Pressesprecher Andreas Jantke das Vorgehens eines Unternehmens: "Wir hätten niemals dafür eine Genehmigung erteilt. Wir wollen nicht, dass unsere Marke beschädigt wird." Gleichzeitig scheint IKEA die digitalen Aktivitäten ihrer Kunden ein wenig eindämmen zu wollen. Oder wie sonst sollte man die nachfolgende Äußerung des Pressevertreters interpretieren? "Wenn wir das tolerieren würden, wie sollten wir dann mit Nachahmern umgehen?" Hierbei bezieht sich Janke vor allem auf die aus seiner Sicht begangenen Markenverletzungen. IKEA behält sich somit vor, gegen alle Websites vorzugehen, die den Namen, Schriftzug, Logo oder Presse-Bilder von Produkten verwenden und somit gegen das Markenrecht verstoßen. Letztlich sollten deshalb Blogger sehr vorsichtig mit dem Pressematerial von Unternehmen umgangen. Sie werden von den Unternehmen eben nicht als Pressevertreter betrachtet, die sie auch nicht sind.

Natürlich hat IKEA bei seinem Vorgehen völlig recht. Doch andererseits ist eines Recht zu haben und ein anderes, dieses auch in Anspruch zu nehmen. Schließlich profitierte IKEA von der digitalen Mundpropaganda eines Kunden, der zwar Markenrechte in Frage gestellt hat, aber doch für IKEA geworben hat. Zudem erweist sich die rechtlich sichere Position auf der Imageseite als eine fragwürdige. Zahlreiche Blogger haben das Thema aufgegriffen und im Sinne des David-gegen-Goliaths-Prinzips IKEA kritisiert.

Immerhin hat sich Pressesprecher Jantke bei dem Blogger Markus Trapp per E-Mail gemeldet und sein Vorgehen erläutert. Demnach spielten im Falle Ikeahacker Bedenken wegen sicherheitsgefährender Umfunktionieren von IKEA-Produkten eine wichtige Rolle. Vermutlich wollte das Unternehmen damit Haftungsrisiken klären.

Martin Oetting fragt in seinem Blog Connected Marketing zurecht: "Wie vernagelt (oder in diesem Fall: verschraubt) muss man im Hirn sein, um seinen Fans und Kunden den Austausch über die eigenen Produkte zu verbieten? Die auf diese Weise sicher den Absatz ankurbeln - was macht mehr Lust auf neue Möbel, als kreative innovative Ideen zu ihrer Nutzung?"

>> FR-Online: Möbelhaus duldet keinen inoffiziellen Markenkult
>> TextundBlog.de:Unkluge Ikea-Entscheidung: Ikeahacker geschlossen
>> TextundBlog.de: IKEA-Blog mit originellen Einrichtungsideen
>> BasicThinking: Ikea und Blog-Hackmack
>> Kriegs-recht.de: IKEA und die Hacker - Markenpflege vs. Markenrecht
>> Connectedmarketing:IKEA bekämpft seine Online-Fans
>> Spiegel: Ikea-Hacker basteln bunter (update)

Klaus Eck

22. Mai 07

Apple: Vier Milliarden Dollar Verlust durch Mundpropaganda

Wenn die Erwartungen an ein Produkt oder Unternehmen hoch sind, können diese sehr schnell enttäuscht werden. Auf Fakten kommt es dabei nicht immer an. Manchmal ist es das für Unternehmen sogar schon mit herben finanziellen Einbußen verbunden, wenn durch virtuelle Mundpropaganda auch nur der Anlass eines Zweifels entsteht.

Das mussten erst kürzlich die Apple-Aktionäre erleben, als das populäre US-Blog "Engadget" am vergangenen Mittwoch eine Falschmeldung aufnahm und darüber berichtete, dass sich der geplante Juni-Termin für den US-Start des iPhones nicht eingehalten werden können. Dieses Gerücht genügte, um die Aktienkurse für kurze Zeit um immerhin 3 Prozent nach unten zu schicken. Es entstand innerhalb von Stunden ein Verlust von bis zu 4 Milliarden Dollar, ohne dass die Engadget-Meldung schon verifiziert war.

Es ist nun wirklich nichts Neues, dass die Börse von Fantasien angetrieben wird; doch dass Blogs signifikante Kurzentwicklungen auslösen können, ist überraschend. Bislang entstanden derlei Gerüchte eher in Forenwelten. Doch natürlich sind die Blogs in gewisser Weise geadelt worden. Sie erzielen viel mehr mediale Aufmerksamkeit und sind manchmal sogar von ihrer Reichweite her nicht einmal von Medien zu unterscheiden - wie im Falle Engadget.

Wer sich heute bei Google Finance über Apple informieren möchte, erhält auf der Plattform neben den offiziellen Informationen und den Nachrichtenseiten zahlreiche Hinweise auf Blogs. Dazu hat Google seine Blogsuche "Google Blog Search" in den Dienst integriert. Es macht es den Anlegern einfacher, über die Gerüchte- und Newswelt den Überblick zu behalten. Allerdings stellt sich angesichts derartiger Entwicklungen mir die Frage, welches börsennotiertes Unternehmen es sich auf die Dauer noch leisten kann, Blogs zu ignorieren, zumal wenn sie sehr schnell zum Auslöser von Kursbewegungen herhalten können...

Im Manager-Magazin fragt Matthias Kaufmann außerdem: "Wie kann man ein Unternehmen vor einem derartigen Kommunikations-GAU schützen? Wo doch schon Apple die Geheimhaltung so pflegt. Oder wäre das mit einer offeneren Unternehmenspolitik nicht passiert?" Gerade börsennotierte Konzerne, die die ersten Gehversuche ins Web 2.0 wagen, benötigen hierbei Aufklärung. Denn welche Auswirkungen hat eine "Radikale Transparenz" (Wired) in einem derartigen Fall für die weitere Unternehmensentwicklung. Das hiesige Börsenrecht hält hierbei sicherlich einige Stolpersteine bereit, die den Juristen Kopfschmerzen bereiten dürften.

>> Engadget: False alarm: iPhone NOT delayed until October, Leopard NOT delayed again until January
>> Maniacmind:
Blog Engadget.com schadet Börsenkurs von Apple
>> Engadget:Regarding yesterday's Apple news
>> Robert Basic:
die Engadget-Apple Affäre und mögliche Konsequenzen?
>> Manager-Magazin: Blogger schreiben Kurssturz herbei (guter Überblick über die ganze Apple-Geschichte)

Klaus Eck

Ganz einfach abonnieren:

Aktuell veröffentlicht:

Twitterbesucher

AddThis Social Bookmark Button

Newsletter

Google Friend Connect