10. Juli 07

E-Mails werden unwichtiger

Ist die E-Mail ein Auslaufmodell? Glaubt man Travis Katz, der bei Online-Community MySpace das internationale Geschäft verantwortet, könnte es für reine E-Mail-Services schon bald ein böses Erwachen geben. So kündigte er vor kurzem selbstsicher in einer dpa-Meldung an: "Wir werden reine E-Mail-Dienste tendenziell ersetzen. Junge Nutzer senden keine E-Mails mehr, denn Communities bieten viel bessere, interaktivere Möglichkeiten der Kommunikation. Das E-Mail-Geschäft wird von den sozialen Netzwerken kannibalisiert."

Das kann ich in vielen Bereichen durch meine eigenen Erfahrungen bestätigen. Inzwischen nutze ich zahlreiche Alternativen zur E-Mail, um meine Informationen mit Freunden und Geschäftspartnern auszutauschen. Erst vor wenigen Tagen wollte ich Christiane L. eine E-Mail schreiben; dabei stellte ich überraschenderweise fest, dass ich schon seit mehr als einem Jahr nicht mehr ihre aktuelle E-Mail-Adresse habe. Sie fehlte mir gar nicht, weil sie jederzeit via Xing, Twitter oder Skype erreichbar war.

Meine Informationsgewohnheiten haben sich angesichts des Information Overloads ohnehin ein wenig gewandelt. In meiner Mailbox sammelt sich trotz Spamfilter viel zu viel Spam an. Deshalb bestelle ich seit Jahren keine Corporate Newsletter mehr, sondern abonniere stattdessen RSS-Feeds, die ich im Feedreader Bloglines lese. Meine Kontakte verwalte ich lieber über Xing als via Outlook. Darüber verschicke ich regelmäßig kleine Einladungen zum Social Web Breakfast.

Ansonsten informiere ich meine Kontakte via PR Blogger, Skype, Facebook, Twitter, Flickr und Mister Wong über neue Links, Videos, Bilder und lesenswerte Berichte. Jeder kann bei Interesse selbst entscheiden, wann er welche Informationen lesen möchte und diese sogar via RSS bei mir abonnieren. E-Mails benötige ich für meine Informationspolitik deshalb immer weniger. Ich nutze die E-Mails allerdings sehr wohl noch in der Geschäftskommunikation, um Angebote, to-do's und Rechnungen zu verschicken. Der Wandel verläuft langsam, aber in der Many-to-Many-Kommunikation verliert die E-Mail (zumindestens bei mir) an Bedeutung.

>> FTD: MySpace will führende Internetseite in Deutschland werden
>> eMarket: MySpace.com will an die Spitze
>> PR Blogger: Unproduktive E-Mail-Junkies

Klaus Eck

17. November 06

Media Coffee: Kein Umbruch in Sicht?

Gestern Abend bin ich auf der Media Coffee-Veranstaltung von news aktuell in München gewesen, weil ich mir erhofft hatte, einige neue Eindrücke und neue Kontakte zu gewinnen. Doch leider stellte sich heraus, dass  die Medien- und PR-Vertreter sich lieber mit sich selbst beschäftigen und dabei versuchen ihr bisheriges Businessmodell bis in alle Ewigkeit einfach nur fortzuschreiben, ohne sich gegenüber den Chancen des Web 2.0 zu öffnen und selbst kreative Modelle zu entwickeln. Es wurden keinerlei Fallbeispiele aus dem Bereich Corporate Blogging aufgeführt, die etwas mit der Kommunikation 2.0 zu tun gehabt hätten.

Potenzial hat das Thema  „Web 2.0 – Wie verändern sich Medien und PR“ durchaus gehabt, was sich auch an den über 200 Besuchern aus der Marketing- und PR-Branche zeigte. Wie wenig die Online-Kommunikation selbst verstanden wird, zeigten auch die Reaktionen des Publikums. So meinte eine Besucherin im Media Coffee Podcast sogar, dass Blogging sei für die PR völlig zu vernachlässigen. Warum soll ich mich als Kommunikationsberater verändern, wenn ohnehin alles so bleibt wie bisher und ein news aktuell-Diskussionspanel diese Vorbehalte eher sogar noch verstärkt, in dem es die klaren Vorteile von professionell erstellten Content in den Medien herausstreicht, statt die Chancen in der Kommunikation mit den Konsumenten stärker aufzuzeigen. Von neuen Kommunikationstrends war bei der Veranstaltung wenig die Rede, stattdessen dominierte die Angst vor der Inflationierung neuer Boulevard-Produzenten, die als Blogger oder Podcaster unprofessionelle Inhalte publizieren (User Generated Content) die Diskussion.

Worte wie Social Software, Mitmach-Web, Word of Mouth (WOM), Virales Marketing, Corporate Blogs und Social Bookmarking fanden nicht oder kaum den Weg aufs Podium, dass sich ansonsten oft nur mit den blassen Begrifflichkeiten aufhielt, statt tiefer in einzelne Beispiele einzutauchen. Dabei liest man beinahe täglich in der Fach- und Wirtschaftspresse etwas über die konkrete Ausgestaltung des Web 2.0.

Immerhin saßen anerkannte und etablierte Branchenvertreter aus PR und Medien auf dem Podium, die durchaus etwas zu sagen haben: Christian Faltin, Geschäftsführer dot.communications, Klaus-Peter Frahm, Prokurist und Leiter IT, new aktuell GmbH, Reiner Kerl, Technischer Leiter, sueddeutsche.de, Michael Kieß, Leiter Presse & Öffentlichkeitsarbeit, IBM Entwicklung und Forschung, und Rainer Tief, Leiter Programmbereich Bayern 3, Jugend, Multimedia, Bayerischer Rundfunk.

Von neuen Trends in der Kommunikation war auf dem Podium überhaupt nicht die Rede. Online-PR und die neue digitale Öffentlichkeit fehlten in Gänze. Warum sprach eigentlich niemand über die Art und Weise, wie die PR kreativ mit dem Bloggen in Unternehmen umgehen kann und Blogger direkt in ihre Öffentlichkeitsarbeit einbeziehen kann? Eigentlich hätte man die "PR" aus dem Ankündigungstext streichen und durch "Marketing" ersetzen dürfen, weil sich die Podiumsteilnehmer die meiste Zeit über auf die Marken- und Medienfragen konzentriert haben.

Immerhin gestehen PR-Branchenvertreter wie Christian Faltin ein: „Es gibt keinen Kunden, der sich im Augenblick nicht Gedanken zu dem Web 2.0 macht. Als größeres Unternehmen sollte man ein Blog-Monitoring betreiben, damit man weiß, was die Blogger von einem halten.“ Er hat das Potenzial für die PR durchaus verstanden und genauso wie Klaus-Peter Frahm die Lanze für das Bloggen gebrochen. Doch es hilft nicht wirklich weiter, wenn Rainer Kerl vom Süddeutschen Verlag zwar eingesteht, dass die Amateurinhalte die Medien in der Tat beeinflussen, aber dann wieder über Reichweiten spricht. So glaubt Kerl tatsächlich, dass es nur wenige Blogs sind, die wirklich wichtig sind und Ernst genommen werden müssen. "Wenn eine Kritik in einem kleinen Blog steht", meint Kerl, "spielt das keine Rolle.“ Deshalb ist er der Ansicht, dass es genügen würde nur rund  50 Blogs zu monitoren und unterschätzt damit völlig, welche Wirkung und Dynamik kleine Blogs in einer Krise entfalten können. Schließlich war der Spreeblick auch einmal ein völlig unbekanntes Blog.

Was hilft es uns bei der Frage nach neuen Trends, wenn Kerl zudem meint, dass das Web 2.0 überhaupt nichts Neues darstelle und letztlich eher alter Wein in neuen Schläuchen sei: "Jetzt.de macht schon seit 2001 Web 2.0. Neu ist jedoch, dass es jetzt Investoren gibt, die sich für das Thema interessieren.“

Auch Rainer Tief von Bayern 3 sieht erst einmal nur den Marketingnutzen für sich: „Web 2.0 ist ein wunderbares Phänomen. Wir bieten seit zehn Jahren Downloads an, die wir heute besser als Podcasts vermarkten können. Der Begriff erlebt zurzeit eine wunderbare Mode. Irgendwann wird die Inflationierung des Begriffs auch wieder dazu führen, dass der Hype endet. Doch die Technik wird weiterhin bleiben.“

Aber ganz richtig geht der IBM-Vertreter Michael Kieß immerhin auf die Umbrüche ein: „Der neue Charme besteht darin, dass es so viele Blogs, Wikis und Podcasts gibt. Als Medium kommt man an das Web 2.0 nicht mehr vorbei. Diese Parallelwelt wird bleiben, eine Rückkehr zum Web 1.0 ist hierbei  ausgeschlossen. Der Dynamik ist da, entziehen können sich dem weder Medien noch Unternehmen." Allerdings gingen die Diskutanten wenig auf die Konsequenzen für die PR-Arbeit mit dieser neuen Form der Öffentlichkeit ein.

Komischerweise wurden in der Diskussion völlig untypische „Corporate Blogs“ wie Opel und Walmart zitiert, die als Kampagenblogs eher einen Marketingaspekt aufweisen, ohne dass das Panel sich wirklich guten Fallbeispielen für die Unternehmenskommunikation zuwendete.

Fragen wie „Ist die Blogophäre nicht sehr stark ideologisiert?“ irritierten mich mehrfach, weil sie offensichtlich machen, das der ansonsten eloquente Moderator Christian Jakubetz sich anscheinend kaum mit dem schwer erfassbaren Thema Web 2.0 beschäftigt hat. Eine Antwort erhält er (zum Glück) auf diesem Podium nicht. In Wirklichkeit gibt es nur einige wenige Meinungsmacher, die vielleicht unter Ideologieverdacht stehen, doch die Mehrheit orientiert sich sehr stark an klassischen Medien und verlinkt diese beinahe schon affirmativ. Nicht umsonst gehört Spiegel Online zu den Favoriten vieler Blogger.

Gegen Ende Diskussion sind sich einige der Diskutanten sicher, dass die Blogger, Podcaster und Videocaster eigentlich nur 15 Sekunden Ruhm für sich beanspruchen. Wie war das noch mit den "egozentrischen Selbstdarstellern", die auf einem Hamburger Media Coffee eine Rolle spielten ... Die Medienvertreter haben gestern keine Angst vor dem User Generated Content gezeigt, weil sich bspw. Kerl sicher ist: "Es gibt irgendwann eine Qualitätsjournalismus-Offensive. Aufgrund der schlechten Qualität der meisten Blog-Inhalte entsteht hier keine Konkurrenz für den Journalismus.“

Dem widersprach nur der Media-Coffee-Blogger von News Aktuell Klaus-Peter Frahm: Ihm kam die Blogosphäre ein wenig zu schlecht weg: "Gerade in den Nischenbereichen gibt es viele wertvolle, kreative und pfiffige Inhalte in Blogs und Podcasts." Seiner Meinung nach haben die klassischen Medien ihre Gate Keeper Funktion zu einem großen Teil bereits verloren: "Sicher haben
sie weiterhin die Aufgabe, Inhalte zu sichten und zu gewichten. Aber in Zukunft werden immer mehr Informationen an den klassischen Medien vorbei die öffentliche Meinung beeinflussen." Dem stimme ich natürlich gerne zu und hoffe, dass sich die Kreativität auf künftigen Web 2.0-Panels stärker durchsetzt.

>> media coffee podcast direkt anhören
>> media coffee Pressemitteilung nach der Veranstaltung
>> Jens Petersen: Media Coffee Blog: Ein faires Angebot (news aktuell)
>> PR Blogger: Siegeszug des Web 2.0
>> PR Blogger: Die Macht der Medien wird in Frage gestellt
>> PR Blogger:Verlieren Journalisten ihren Vertrauensvorsprung?
>> PR Blogger: Die Macht der Medien wird in Frage gestellt
>> PR-Blogger: Blogger stürmen die Festung und verändern die Medienlandschaft

Klaus Eck

21. September 06

Mehr Mut zur Online-Kommunikation

Während Web 2.0-Freunde, viele Blogger und Journalisten Deutschland noch immer als Internet-Entwicklungsland betrachten, warnen manche Kommunikatoren wie Lars-Christian Cords, Partner bei der Agentur fischerAppelt Kommunikation, vor einem "Hype um das goldene Kalb" Weblog. Ganz richtig hat Cords auf dem media coffee der dpa-Tochter news aktuell in Hamburg gestern darauf hingewiesen, dass der Aufbau von relevanten Blogs viel Zeit benötige. Das wird in der Tat von vielen Unternehmen unterschätzt. Allerdings würde ich Blogs nicht allein daran messen, ob sie von den Medien wahrgenommen werden.

Natürlich erzielen Blogs mehr Aufmerksamkeit, wenn sie in den klassischen Medien aufgegriffen und vorgestellt werden. Doch hat das oftmals nur einen kurzfristigen Effekt. Der Traffic, der von Medien-Websites in Richtung Blogs gelenkt wird, versiegt nur zu schnell wieder. Andererseits stellt sich mir auch die Frage, wie lange ist ein Zeitungsartikel wirklich relevant, wie lange wirkt er? Schließlich verblasst er schon nach wenigen Tagen in der öffentlichen Wahrnehmung, wird vielleicht sogar von der Website genommen oder hinter einer Paid-Content-Schranke versteckt, falls der Printartikel überhaupt online publiziert worden ist. Blog-Artikel bleiben hingegen im Netz permanent abrufbar und füttern den Google Spider, so dass man nicht selten bei einer Online-Recherche auf Blogs stößt, die besser positoniert sind als viele Medienartikel.

Trotzdem sollten Corporate Blogger nicht so sehr auf ihre Medienpräzenz allein schielen, sondern vor allem darauf setzen, ihre jeweiligen Kunden gezielt über Blogs anzusprechen und dabei auf deren Informationsbedürfnisse einzugehen. Für die Konzeption, Recherche und das Schreiben selbst wird beim Bloggen viel Zeit benötigt. Aber das ist normaler Alltag in der Kommunikationsarbeit. Schließlich kostet es auch Zeit, eine Kundenpräsentation vorzubereiten, einen öffentlichen Vortrag zu halten, PR zu betreiben, den Kontakt zu Journalisten oder Kunden zu pflegen und Corporate Newsletter zu verschicken. Warum sollte das bei einem Corporate Blog so viel anders sein. Meiner Ansicht nach sind die Effekte, die sich mit Corporate Blogs erzielen lassen, jedoch sehr viel spannender für Unternehmen als diejenigen, die viele andere Kommunikationstools versprechen. Insofern ist der Aufwand, den man für den Blog-Betrieb aufwändet, berechtigt.

Stefan Keuchel, Leiter Unternehmenskommunikation bei Google Deutschland, meinte auf der news-aktuell-Veranstaltung ganz richtig: "Deutschland hat den Trend verschlafen". Es fehle den Deutschen oft an Mut, dennhierzulande sei es üblich, zunächst nur die Gefahren und nicht die Chancen neuer Technologien zu erkennen.

Update: Übrigens wurde die Veranstaltung zum Teil auch als Podcast aufgezeichnet und ist als 10-minütiges Earpaper abzurufen.

>> PR Blogger: Zuwenig Aufmerksamkeit für Paid Content
>> PR Blogger: 6 Tipps für das Blog-Zeitmanagement

Klaus Eck

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28. April 06

WOMday in München

Was ist neu an der Kommunikation 2.0? Dieser und vielen anderen Fragen wurde gestern auf dem ersten WOMday in München nachgegangen. Eingeladen hatte TRND, Pionfür Word of Mouth Marketing in München, und gekommen sind fast alle, die sich für das Thema interessieren. Besonders gefreut habe ich mich auf den Vortrag von Martin Oetting und auf Bjoern Ognibeni. Er gab in seinem Auftaktvortrag einen guten Einblick in das Thema Kommunikation 2.0: Was ist neu, was ist anders. Schwerpunkt lag dabei auf dem Thema Transparenz in der Kommunikation. „Transparenz erzwingt Authentizität“, diesem Statement stimme ich voll und ganz zu. Denn durch den zunehmenden Kontrollverlust, durch Fehler, die immer schneller sichtbar werden und aufgrund verkürzter Reaktionszeiten, müssen Unternehmen anders mit ihren Kunden kommunizieren. Bjoern Obnibeni, Berater für Digital Marketing und PR bei Site 9 in Hamburg, bemerkte auch, dass Kunden zu Evangelisten werden, denn sie entscheiden, welches Thema interessant ist und welches nicht.

Wußten Sie, dass 67% aller Kaufentscheidungen in den USA mit Hilfe von Mundpropaganda entschieden werden? Dabei spielen Frauen eine herausragende Rolle. Sie treffen häufiger Kaufentscheidungen und wollen damit als Kunde auch ernst genommen und gehört werden. Martin Oetting nannte hierfür Beispiele aus den Bereichen ansteckende Produkte, ansteckende Kommunikation und ansteckende Beziehungspflege.

Interessant fand ich auch den Vortrag von Lukasz Gadowski, der mit seinem Unternehmen Spreedshirt aus Leipzig innerhalb kurzer Zeit ein stattliches Unternehmen aufgebaut hatte. Und das, ohne einen Cent für Marketing auszugeben. Er betonte zu Recht wie wichtig es ist, eine offene und informelle Kommunikation zu Kunden, Partnern und Mitarbeitern zu pflegen.

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25. April 06

„Jetzt neu“ – wirklich neu – ganz neu

Der gemeine Verbraucher hat gelernt, dass ein Produkt mit dem Aufkleber „neu“ wohl relativ gesehen etwas vermeintlich besseres als das Vorgängermodell sein muss. Nur wenige hinterfragen dieses Etikett – und das Produkt verkauft sich in der Regel besser.

Aber verdient auch jedes Produkt, das uns angeboten wird, den Stempel „echte“ Neuerung? „Echt“ insofern, als dass es die Art, wie wir denken, leben und handeln, grundlegend verändert? Wohl eher nicht. Viele „neue“ oder „innovative“ Produkte, die heute auf den Markt gebracht werden, sind bei genauerer Betrachtung letztlich doch vielmehr eine Produktvariation oder -modifikation. Zwar ist die Herausforderung der betroffenen, zunehmend schnelllebiger agierenden Industriezweige – so etwa IT, Telekommunikation, Mode oder Kosmetik – durchaus nachvollziehbar. Sie sind aufgrund immer kürzer werdender Produktzyklen dazu gezwungen, sich ständig neu zu erfinden, wollen sie am Markt weiter bestehen.

Dies führt allerdings dazu, dass die Mehrheit der Unternehmen ihre „innovativen“ Produkte auf eine sehr standardisierte Art und Weise in der Öffentlichkeit zu positionieren sucht und sich dabei nicht selten auf die Beschreibung reiner Produkt-Features beschränkt … und sich wundert, dass seine Produktmeldungen nicht abgedruckt werden. Aus kommunikativer Sicht kann sich ein Unternehmen dadurch schnell in eine Sackgasse manövrieren.

Diese Art der Kommunikation funktioniert in der Regel nur im Umgang mit kundigem Fachpublikum, nicht aber dann, wenn man ein „neues“ Produkt der breiten Öffentlichkeit bekannt machen will. Soll Innovationskommunikation nachhaltig wirken, so bedarf es einer übergreifenden Strategie des Innovationsmanagements – und hier ist die Kommunikation ein wesentlicher Bestandteil.

Was es bedeutet, entsprechend zielgruppengerecht Innovationen zu kommunizieren, soll uns demnächst beschäftigen.

17. April 06

Sind wir nicht alle ein bisschen innovativ?!

Innovation ist das Schlagwort unserer Tage. Die Bundesregierung ruft Innovationsinitiativen aus, Unternehmensberatungen wie A.T. Kearney küren jedes Jahr den „Innovator of the Year“. Den Stempel ‚innovativ’ wird sich heute jedes Unternehmen geben, das im zunehmend härter werdenden und globaleren Wettbewerb ein Wörtchen mitreden möchte. Eine zentrale Frage bleibt: welche Rolle kann die Kommunikation im Innovationsprozess spielen. Oder vielmehr: wie ist es um die Kommunikation von Innovationen bestellt?

„Echte“ Innovationen verändern die Art, wie wir leben, denken und handeln. Sie setzen Trends in Gang, die unsere Zukunft bestimmen und grundlegend beeinflussen. Kennen Sie zum Beispiel Philipp Reis? Er erfand etwas, was das Leben Ende des 19. Jahrhunderts zwar grundlegend verändern sollte, allein es fehlte an der guten Kommunikation dieser Innovation. Reis war es nämlich, der das Telefon erfand – die Lorbeeren aber erntete 1877 der uns allen bekannte Alexander Graham Bell.

Heute besteht die Herausforderung darin, dass der Begriff ‚innovativ’ inflationäre Verwendung findet. Sicherlich ist dies einer der Gründe dafür, dass innovative Produkte heute immer seltener in den Medien vorgestellt werden. Denn können sie auch wirklich als solche von den Journalisten wahrgenommen werden?

Die kommenden Artikel sollen uns dazu dienen, erfolgreiche Innovationskommunikation näher zu definieren, aber auch ihre Grenzen aufzuzeigen und der Sache auf den Grund zu gehen, wie wir das Neue zukünftig glaubhaft vermitteln können.

Und auch dieser kurze Abschnitt verwendet das Wort „innovativ“ eigentlich inflationär … aber das lässt sich wohl nicht wirklich vermeiden, will man echte Innovationen salonfähig machen. Über Spielregeln für erfolgreiche Kommunikation von Innovationen bald mehr an dieser Stelle.

Claudia Jordan