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Der PR Blogger

  • Im PR-Blogger erhalten Sie aktuelle Informationen über die neuesten Trends im Online Reputation Management, in der Online-PR- und im Online-Marketing.

    Klaus Eck, der Herausgeber des PR Bloggers, ist Kommunikationsberater und Reputation Manager.
    Er hilft Unternehmen beim Aufbau einer eindeutigen Online-Reputation und bei der Entwicklung von Online-Relations.

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    Klaus Eck
    Neu: Tel.: 0171-68.8.68.24


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03. September 08

28. Nachgebloggt: Bastian Scherbeck zur Social Media Release

Inwiefern die Social Media Release für die PR-Branche von Bedeutung ist, darauf werden wir am Freitagvormittag auf dem nächsten Social Web Breakfast in Hamburg mit Bastian Scherbeck diskutieren. Vorab hat der Social Media Projektmanager der achtung! kommunikation für den PR Blogger einige Fragen beantwortet:

1. Warum versenden Sie eigentlich noch Pressemitteilungen, wenn es doch so etwas wie eine Social Media Release gibt?

Die Social Media Release ist (noch) nicht als Ersatz für die herkömmliche Pressemitteilung zu sehen, sondern als ein Tool zur Ansprache weiterer, neuer Öffentlichkeiten - insbesondere der Online-Multiplikatoren, also Blogger, Pod-/Vodcaster und Co. Sie wird im Unterschied zur Pressemitteilung nicht versandt, sondern einzig über den RSS-Feed verbreitet. Da es jedoch immer noch Redaktionen und Journalisten gibt, die mit RSS nicht vertraut sind und sich an das Format der klassischen Pressemitteilung gewöhnt haben bzw. auf den Fließtext einer klassischen PM angewiesen sind, nutzen wir beide Möglichkeiten.

2. Was versteht man unter einem Social Media Newsroom genau?

Der Social Media Newsroom ist die Weiterentwicklung des klassischen Online-Pressebereichs. Das Konzept kommt ursprünglich von Todd Defren (Shift Communications, Boston/San Francisco). Der Social Media Newsroom nutzt konsequent die kommunikativen Möglichkeiten des Web 2.0. Das heisst:

a. Der Social Media Newsroom basiert auf der Weblog Publishing Software Wordpress. Pressemitteilungen bzw. Social Media Releases werden damit zu Postings: Sie haben eine permanente URL und auf sie kann direkt und dauerhaft verlinkt werden. Außerdem sind sie für jeden kommentierbar. Hinzu kommt der SEO-Effekt bei den Suchmaschinen bzw. wenn wir über Deutschland reden g oogle und die Indexierung durch Blogsuchmaschinen (Technorati und co.).

b. Der Social Media Newsroom öffnet sich dem Dialog mit allen Usern. Es geht hier nicht mehr darum, nur die Presse anzusprechen: Wir sprechen mit dem Social Media Newsroom alle interessierten Nutzer und potenzielle Multiplikatoren an. Hier gibt es keine "Anmeldung nur für Journalisten" und auch keine Mails mit Sperrfrist.

Wer Interesse an der im Newsroom behandelten Thematik hat, wird umfassend informiert. Und wenn das nicht ausreicht: Die Ansprechpartner im Unternehmen sind mit Hilfe des Social Media Newsrooms auf verschiedenen Wegen erreichbar: Die Nutzer können die Social Media Releases / Pressemitteilungen kommentieren, sie können die Ansprechpartner per Skype oder Instant Messenger kontaktieren und sie können natürlich auch anrufen bzw. E-Mailen. Weitere Möglichkeiten sind denkbar - die Entwicklung des Newsrooms ist längst noch nicht abgeschlossen. Je nach Relevanz der Web 2.0 Tools für den Kunden können weitere dialogische Kanäle wie z. B. ein Corporate Twitter eingebunden werden.

c. Der Social Media Newsroom lagert seine Inhalte auf Web 2.0 Portale aus. Konkret: Content wird so weit möglich nicht mehr auf den eigenen Servern gehostet. Filme finden sich im Corporate-Channel auf YouTube, Bilder im flickr-Account des Unternehmens, Präsentationen bei slideshare.net, PDFs bei scribd.com usw. Das hat diverse Vorteile: Zum einen ist der Content, wenn richtig verschlagwortet, sehr viel sichtbarer: das hohe Google-Ranking der genannten Portale wirkt bei einer Suche auf den Content. Zum anderen wird natürlich von den diversen Web 2.0 Portalen jeweils auf den Newsroom verlinkt: Der Newsroom bekommt diverse Einstiegsportale.

3. In der Regel erhalten Redakteure zahlreiche Pressemitteilungen und werden durch die Informationsmenge regelmäßig überfordert. Blogger lehnen Pressemitteilungen oftmals ab. Wie sollte die Ansprache der Journalisten und Blogger konkret erfolgen?

Genau an dem Punkt setzen wir mit dem Social Media Newsroom an. Mit den Möglichkeiten des Newsrooms bekommen Journalisten und Blogger die absolute Hoheit über den Informationsfluss zurück: Wer einen RSS-Feed abonniert, kann das Abo auch jederzeit selbst wieder beenden - und muss nicht darum bitten in einen Presse-Verteiler aufgenommen bzw. aus diesem wieder ausgetragen zu werden. Das ist nicht nur für Blogger, Journalisten und Kunden reizvoll, sondern auch für die Unternehmen: Diese bekommen ein ehrliches Feedback: Wieviele User haben an meinem Content wirklich Interesse?

Doch es ist ja nicht nur die Vielzahl der Pressemitteilungen, die einen Empfänger in der Regel überfordert - sondern auch die Form: Wenn ich täglich 150 Pressemitteilungen per E-Mail erhalte, dann sind das schnell mal 150 Din A 4 Seiten Text. Den für Blogger und Journalisten wirklich relevanten Inhalt müssen diese oftmals erst suchen. Die Social Media Release, die neue Form der Pressemitteilung, wirkt dem entgegen: Sie bricht die Pressemitteilungen auf den relevanten Inhalt herunter und präsentiert diesen in Form von bullet-points. Außerdem liefert Sie dem User u.a. Hintergrundinformationen zum Thema in Form von Verlinkungen und der Nutzung von Social Bookmarking Services wie Mister Wong.

Insbesondere bei der Bloggeransprache liegt der Fokus weniger auf "Public" als vielmehr auf den "Relations": Hier muss die Ansprache persönlich sein - und immer auf der tatsächlichen Kenntnis des Blogs basieren. Auf welchem Kanal die Ansprache dann erfolgt, entscheidet sich von Fall zu Fall - da richten wir uns ganz nach den Präferenzen des Bloggers.

4. Social Bookmarking und die aktive Verlinkung gehört zu einem Social Media Newsroom dazu. Werden die Links wirklich genutzt? Welche Erfahrungen gibt es hierbei bislang?

Insbesondere der Multimedia Content auf den diversen Web 2.0 Portalen wird von den Usern gut angenommen. Das Social Bookmarking erfüllt im Zusammenhang mit dem Newsroom ja mehrere Funktionen: Zum einen stellen wir den Usern detaillierte Hintergrundinformationen bereit (sowohl zur allgemeinen Thematik des Newsrooms als auch zu einzelnen Pressemitteilungen/Social Media Releases) und zum anderen generieren wir über die Links zum Newsroom auf Mister Wong deutlich wahrnehmbaren Traffic.


5. Wer setzt hierzulande auf Social Media Newsrooms oder eine Social Media Release? Gibt es einige Best Practice-Beispiele?
In Deutschland steckt die Nutzung des Tools tatsächlich noch in den Kinderschuhen. Wir haben für unseren Kunden Volvic gerade einen Social Media Newsroom umgesetzt, für weitere Kunden von uns arbeiten wir gerade an der Umsetzung. International gibt es einige immer wieder gern genannte Beispiele: So der Newsroom von Electrolux und der Newsroom von General Motors Europe. Abschließend zu erwähnen: Unser eigener Newsroom.


6. Viele Journalisten nähern sich den Web 2.0-Themen eher zögerlich. Inwieweit glauben Sie, dennoch Journalisten mit einer Social Media Release erreichen zu können oder verzichten Sie lieber ganz auf die klassischen Gatekeeper?

Natürlich verzichten wir nicht auf die klassischen Gatekeeper. Das wäre in vielen Branchen und insbesondere in Deutschland auch töricht: Die klassischen Medienkanäle haben weiterhin hohe Reichweiten. Die Skepsis von Journalisten bei Web 2.0 Themen ist u.a. ein Generationenproblem - und wird sich deswegen teilweise von selbst erledigen. Hinzu kommt: Der praktische Nutzen bei der Anwendung solcher Tools spricht für sich: Kein Verteilerspam mehr, keine E-Mails mit mehreren Megabyte großen Fotos im Anhang, problemlose Kontaktierung der Ansprechpartner im Unternehmen auf diversen Kanälen: Wir sind sicher, dass Journalisten in Zeiten der Informationsökonomie in Zukunft immer stärker auf solche Tools zurückgreifen werden.


7. Welche weiteren PR-Trends erwarten Sie für die Zukunft?
Der Einfluss der im Internet verfügbaren Informationen auf diverse Lebensbereiche wird weiter stark zunehmen - und damit auch die PR deutlich verändern: Wer in Zukunft erfolgreich Kommunikationsmanagement betreiben will, muss die sich ständig wandelnde, vielfältige Klaviatur der Kommunikation im Netz beherrschen - und einschätzen können ob und wann sich der Einsatz eines neuen Tools lohnt. Besonders wichtig: Er muss Kommunikation ernst nehmen. Und Kommunikation bedeutet Dialog.

>> PR Blogger: 27. Nachgebloggt: Ulrich Weber zum Start des neuen Opel Blogs
>> PR Blogger: 26. Nachgebloggt: Johannes F. Woll zum Social Networking via Xing
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Klaus Eck

04. Juli 08

Online-Reputation-Management 19: Sebastian Voss zum Sinn von Video-Aktivitäten

Der Marketingberater 2.0 bloggt nicht nur, sondern produziert regelmäßig als Video-Podcaster und Twitterer reichlich Stoff für die Social Media Späre. Im Online-Reputation-Interview erzählt Sebastian Voss unter anderem, worauf jeder Jobaspirant bei Online-Video-Bewerbungen achten sollte.

1.  Sie bloggen und video-podcasten im Umfeld von Marketing und PR. Was wollen Sie damit eigentlich erreichen?

Voss Das was viele Social Media-Produzenten in Blogos-  und Podosphäre erreichen wollen: Das Vernetzen mit Gleichgesinnten,  den Aufbau von Bekanntheit und Expertenstatus und natürlich auch das Generieren von Kundenanfragen. Und das schlägt sich auch in unseren Auftragsbüchern nieder. Über 60 Prozent der Projekte sind bisher über den Marketingberater 2.0 zustande gekommen, was mich keineswegs erstaunt. Denn wo sonst kann man potentiellen Mandanten diese Mengen an Wissenskostproben servieren und persönlichen Nutzen stitfen, als auf einem eigenen hauseigenem Online-Magazin.

Dies war für meinen Geschäftspartner Sebastian Wartenberg vor Kurzem auch Grund genug, sich von unserem schicken Hochglanz-Webauftritt zu trennen und stattdessen einen Blog aufzusetzen. Zum einen sind wir näher an unseren Kunden und Interessenten und zum anderen steigern wir unsere Popularität bei Google. Wenn man bedenkt, dass wir innerhalb eines Tages bei der Eingabe von „Synergie-Effekt“ auf Platz drei direkt hinter dem Wikipedia-Eintrag zu finden waren, hat sich die Umstellung für uns bereits mehr als bezahlt gemacht.

2. Welche Erfahrungen haben Sie mit Ihren Video-Aktivitäten gemacht? Wie wird das insgesamt angenommen?

Grundsätzlich sehr gut. Anfangs habe ich dies eher als Experiment gesehen, da ich meinen Lesern einfach mehr Multimedialität bieten wollte, als Ihnen nur reine Textwüsten zu präsentieren. Wie heißt es so schön: „Bilder sagen mehr als 1000 Worte“ und bewegte Bilder sagen noch mehr! Auch das durchweg positive Feedback von einigen meiner Leser bestätigte mir, dass ich mit meiner Webcast-Reihe richtig lag. Zuletzt steckte ich auch noch meinen Geschäftspartner Sebastian Wartenberg mit meiner Videoidee an, der nun mittlerweile bei vielen Webcast mehr vor der Kamera steht als dahinter

Unsere ersten gemeinsamen Gehversuche starteten wir letztes Jahr ganz unbefangen auf der „Business to Dialog“ und der „Call Center World“ in Berlin. Bei den Dreharbeiten sorgten wir nicht nur für überraschte Gesichter bei den Ausstellern und volle Mini DV-Kassetten danach, sondern knüpfte ebenfalls wichtige Kontakte zu diesen, die letztlich auch zu Auftragseingängen für unser Unternehmen führten. Wir bemerkten jedoch, dass das Thema „Webcast“ im Mittelstand noch lange nicht angekommen ist. Trotzdem waren viele neugierig und bereit sich für uns als Interviewpartner zur Verfügung zu stellen.

Unser jüngstes Projekt ist markt start! Das Praxishandbuch für Unternehmensgründer, in Kooperation mit dem Verlag Shaker Media, Förderland.de und Mister Wong, bei dem wir das fiktive Gründerduo Peter Flink und Paul Hastig auf dem Weg zu ihrem Krawattenladen u. a. mit einer Webcast-Reihe begleiten. 

3. Welche Bedeutung hat der Einsatz von Videos überhaupt für PR und Marketing?

Für mich gibt es nichts authentischeres und emotionaleres als ein selbst gedrehtes Video. Doch hier liegt für mich der Casus Knacktus im Marketing für viele Unternehmen. Einige Marketing bzw. PR-Departments, stellen bereits erste Videos ins Netz. Jedoch merken sie nicht, dass Sie mit teueren Premium-Clips ihre User eher zum Gähnen und wegklicken verleiten, als das Sie bei diesen einen Hauch von Sympathie auslösen. Aus meiner Sicht, muss ein gut gemachter Clip auf die Zielgruppe ausgerichtet sein und dazu entweder unterhaltsamen oder nutzwertigen Charakter besitzen. Leider muss ich immer wieder erleben, dass Unternehmens-Webcasts eher einem ins Netz gestellten Werbeclip ähneln, der nicht nur ohne Botschaft daherkommt, sondern hier einfach fehl am Platze ist.

4. Immer mehr Medienmacher und Privatpersonen stellen Videos ins Netz. Welchen Einfluss hat das auf die Öffentlichkeit? Müssen wir jetzt damit rechnen, ständig gefilmt zu werden?

Damit kann ich wohl beim Stadtbummel in der deutschen Filmhauptstadt Berlin, tagtäglich rechnen. Selbstverständlich werden so einige Passanten ungewollt Statist einer TV-Serie oder finden sich unabsichtlich im Hintergrund von Hobby-Clips auf youtube wieder. Jüngstes und prominentestes Beispiel ist Googles neuer Service „Street View“, der auch bald in Deutschland erscheinen soll. Hier wurden ganze Straßenzüge abgelichtet und daraufhin für jedermann abrufbar auf die amerikanische Version des Services gestellt. Ein gefundenes Fressen für Datenschützer und für die Anwälte, die sich damit in den USA über viele neue Mandate freuen konnten. Dies zeigt, dass in unserem digitalen Zeitalter die Medien immer mehr mit den Bürgern verschmelzen werden und daraus ein Spiegelbild der Öffentlichkeit entsteht. Wir als Nutzer des Mitmach-Netz tragen jeden Tag ein Stück weit dazu bei, ob wir nun bloggen, twittern, flickern, Pod- oder Webcasten. Doch um Ihnen die kurz die Eingangsfrage zu beantworten: Ja, wir müssen damit rechnen.

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27. Juni 08

Online Reputation Management 18: Melanie Huber zur Kommunikation 2.0

Wer nichts für seinen digitalen Ruf tut, der wird online auch nicht gefunden, meint Melanie Huber im folgenden Interview über Kommunikation, Marketing und Reputation. Deshalb bloggt die PR-Expertin und Buchautorin seit einiger Zeit selbst. Ich habe der Gründerin von Kilroy PR einige Fragen zu ihrem neuen Buch gestellt:

1. Vor kurzem haben Sie ein Buch über die "Kommunikation im Web 2.0" veröffentlicht. Gelten für die Web 2.0-Kommunikation eigene Regeln?

Neu177 Ja und nein zugleich. Ob im Web oder auf der Straße – Kommunikation sollte immer ehrlich, bewusst, unmissverständlich und möglichst persönlich sein. Während man im Café oder am Telefon jedoch auch mal ein unpassendes Wort fallen lassen kann, sollte man sich im Web bewusst sein, dass alle Äußerungen und andere Publikationen wie Fotos oder Videos für lange Zeit – oder gar die Ewigkeit – gespeichert werden. Egal, was ich online veröffentliche, es kann immer wieder in Zusammenhang mit meiner Person gebracht werden. Selbst wenn ich es lösche oder löschen lasse – was nur schwer machbar ist. Denn im Zweifel haben andere meine Äußerung bereits aufgegriffen, zitiert oder kommentiert. Das Web erfordert somit einen viel bewussteres Kommunizieren. Und das, wo ich doch online so schnell und einfach publizieren kann…

2. Außerdem sprechen Sie häufiger von dem "Conversational Marketing". Was versteht man darunter?

Hierbei geht es um Gespräche, Dialoge zwischen einem Unternehmen und seinen Kunden, potenziellen Verbrauchern und Multiplikatoren. Was inzwischen viele Firmen gelernt haben, ist der transparente und offene Informationsfluss. Dieser erfolgt jedoch meist noch einseitig. Beim Conversational Marketing geht es darum, in einen echten Austausch zu treten. Fragen zu stellen, Antworten zu erhalten und darauf zu reagieren. Ob durch bestimmte Fernsehformate, den Hörfunk oder inzwischen auch das Netz – Menschen sind es inzwischen gewohnt, dass ihnen zugehört wird, dass sie gefragt werden und sie sic einer breiten Masse präsentieren können. Von daher gibt es eine hohe Erwartungshaltung. Wer dieser nicht entspricht, kann seine potenziellen Kunden enttäuschen. Zudem haben gesprächsbereite Unternehmen den Vorteil, dass sie Glaubwürdigkeit und Authentizität ausstrahlen. Sie  erhalten direktes Feedback und sparen sich im Zweifel teure Marktforschung. Und natürlich intensivieren sie die Beziehung zum Verbraucher. 

3. Neben den Journalisten gibt es viele Stakeholder, mit denen Unternehmen ins Gespräch kommen wollen, um ihre Online Reputation zu verbessern. Wie wichtig sind Influencer hierbei wirklich? Welche Bedeutung haben heute Blogger und Community-Mitglieder für Unternehmen?

Multiplikatoren sind hier sehr wichtig. Immer mehr Menschen und damit potenzielle Kunden informieren sich über Firmen und Produkte heutzutage im Web. Hier finden sie vielleicht auch journalistische Beiträge, doch denen wird immer weniger Glauben geschenkt. Es geht darum, Tipps und Informationen von Gleichgesinnten zu erhalten. Ein Blogger erscheint hier zunächst unabhängiger als der Journalist, wenn er beispielsweise eine bestimmte Digitalkamera empfiehlt, hat das mindestens eine so große Wirkung wie die Empfehlung des Redakteurs einer Fachzeitung. Sowohl die Verbreitung von Informationen über Blogs als auch über Communities verläuft in der Regel viral – sofern es sich um einigermaßen gut besuchte und meine Zielgruppe ansprechende Seiten handelt. Diese Effekte bieten klassische Medien nicht.

4. Sie bloggen seit einigen Monaten selbst. Welche positiven und negativen Erfahrungen haben Sie hierbei gemacht?

Zunächst muss ich zugeben, dass ich mich lange Zeit – sprich Jahre – geziert habe, selbst zu bloggen. Und das, obwohl ich mich intensiv mit dem Thema befasse. Ich habe befürchtet, dass ich nicht mehr unabhängig rund um ein Medium beraten kann, wenn ich selbst Teil der sogenannten Blogosphäre bin. Das ist Quatsch. Ich habe nichts an Glaubwürdigkeit  und Unabhängigkeit eingebüßt. Im Gegenteil, heute kann ich unsere Kunden noch besser auch über kleine Aspekte rund um das Bloggen beraten. Weitere positive Aspekte betreffen mich persönlich: Es macht unglaublich viel Spaß. Ich freue mich über jedes Feedback und die neuen Kontakte. Andere Kontakte kann ich intensivieren und halten. Negatives kann ich kaum berichten. Abgesehen von den Spammern, doch das haben wir inzwischen auch im Griff. Und momentan hätte ich gern mehr Zeit zum Bloggen.   

5. Bei den Online-Gesprächen haben es Unternehmen nicht immer leicht. Viele haben Angst davor, ein Corporate Blog aufzumachen oder Social Networks zu nutzen. Wie sollten Unternehmen an diese Gespräche mit den Influencern herangehen?

Zunächst sollte man sich überlegen, was und wen man überhaupt erreichen möchte. Dazu sucht man sich die entsprechenden Web-Angebote heraus. Dann überlege ich mir, was für den Blogger oder das Netzwerk wirklich interessant sein könnte. Eine Pressemeldung ist es kaum. Es geht um exklusive Informationen oder individuelle Kooperationen. Wenn ich dann alle im Unternehmen davon überzeugt habe, dass bei der Kommunikation Werbung und Marketing im herkömmlichen Sinne keine Rolle spielen dürfen, kann ich den Influenecer kontaktieren – am besten telefonisch. Ich frage erstmal nach, ob Interesse an dem Austausch besteht. Niemals würde ich ungefragt Informationen an einen Multiplikator schicken. Das Unternehmen sollte sich auch immer fragen, was die Besucher eines Blogs oder Netzwerks interessieren könnte. Wenn ich darauf keine Antwort habe, sollte ich mich auch nicht rühren.

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24. Juni 08

Online Reputation Management 17: Ergin Iyilikci, Immobilien Scout, zu neuen PR-Trends

Wie stellt sich die PR den neuen Herausforderungen durch das Web 2.0? Darauf gibt Ergin Iyilikci, Leiter Public Relations der Immobilien Scout GmbH, einige Antworten. In unserem Interview macht der Berliner deutlich, dass sich die Aufgaben der PR verändern werden. Allerdings fragt er sich, inwieweit Social Media überhaupt glaubwürdig ist und betrachtet den Network-Exhibitionismus eher kritisch.

1. Was ist im Web 2.0-Zeitalter für Sie noch PR?

Neu180 Im Grunde nichts anderes als zuvor. Die Bezeichnung "Web 2.0-Zeitalter" scheint mir ein wenig zu hoch gegriffen. Ob es ein „Zeitalter“ wird, werden wir in ein paar Jahren sehen. Vielleicht war es dann nicht mal eine Epoche, vielleicht nur ein Phänomen, ein Trend. Kommt drauf an, was folgt - und darauf, was die Teilnehmer draus machen.

Public Relations, die Beziehungspflege mit der Öffentlichkeit mittels geplanter Kommunikation, ändern sich natürlich durch die Möglichkeiten des Web 2.0. Die „Öffentlichkeit“ oder besser „die Öffentlichkeiten“ formieren und informieren sich im Web 2.0 ständig neu, anders, unerwartet. Das haben sie auch vorher schon getan, aber Communities, Networks, User Generated Content beschleunigen und verschärfen Entwicklungen, die wir sogar aus der realen Welt schon kannten. 

2. Welchen Stellenwert hat sie heute?

Der Stellenwert ist höher denn je! Heute zählen Glaubwürdigkeit, Relevanz, Differenzierung, Qualität und Komplexität der Inhalte mehr denn je. Und gute PR hat darauf immer gesetzt, kann das besser leisten, als alle anderen Formen der organisierten Kommunikation. Web 2.0 kann – wenn die ersten Bereinigungen und Korrekturen stattgefunden haben – den Vertrauensverlust in Politik, Wirtschaft, Gesellschaft allgemein überwinden helfen. Denn der direkte Erfahrungsaustausch wirkt vertrauenstiftend.   

3. Und wie muss Sie sich verändern, um noch zeitgemäß zu sein?

Zeitgemäß ist eine PR, die sich von der Vorstellung der „gemanagten“ Öffentlichkeitswirkung und Wahrnehmung verabschiedet. Gute PR heute kennt die Bedingungen, nutzt sie und hält sich zugleich an ihre Regeln. D.h. sie lernt beispielsweise, dass sie nicht nur mit „Kommentaren“ in Communities und von Bloggern leben „muss“. Sie lernt, dass sie diese Kommentare wollen, fordern und provozieren muss. Sie lernt, nicht nur die Geschwindigkeit des Web 2.0 zu bejammern, sondern selber blitzschnell zu werden. 

Die PR sollte sich auf ihre Stärken besinnen und diese ausspielen. Welcher Blogger hat die Ressourcen, die ein Unternehmen hat? Zeitgemäße PR macht Schluss mit Selbstmitleid über das vermeintliche Ausgeliefertsein an die Blogger und andere Online-Player. Nicht nur Unternehmen lügen, auch Blogger lügen. Alle lügen – gelegentlich. Aber Unternehmen wissen tatsächlich viel öfter als andere „wie es wirklich war und wirklich geht“. Web 2.0 eröffnet ihnen eine Möglichkeit, dieses Wissen zu teilen.

Über die Glaubwürdigkeit und Relevanz von vielen user-generierten Inhalten kann man streiten, man streitet – und stellt natürlich fest, dass es damit in vielen Fällen nicht weit her ist.

4. Ist die PR überhaupt für die neuen technischen Herausforderung des digitalen Zeitalters gewappnet?

Die PR ist den Herausforderungen mindestens so gewachsen wie der Rest der Gesellschaft und alle anderen Disziplinen menschlichen Handelns. Da PR für Wirtschaft und Politik eine erhebliche Bedeutung hat, ist sie in vielen Fällen deutlich besser gewappnet als andere Disziplinen. Man rüstet schlicht auf. 

Für ein reines Online-Unternehmen wie ImmobilienScout24 ist es darüber hinaus unerlässlich, sich der Expertise von hauseigenen Online-Marketing-Experten und SEOs zu bedienen. Dies ist nach meiner Aufassung jedoch keine originäre PR.

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18. Juni 08

Online Reputation Management 16: Wolfram A. Zabel über Video-Reputation

In den Verlagen wird viel mit neuen Social Media Formaten experimentiert. Wolfram A. Zabel ist im Operations Management bei Vogel Business Media für das Thema Whitepaper verantwortlich. Er interviewt regelmäßig für das Blog "Media-Treff" Experten zu Kommunikationsthemen. Im Online-Reputation-Interview habe ich ihn unter anderem gefragt, inweit sich Online-Videos für den Aufbau eines digitalen Rufs eignen:

1.  Sie bloggen  und video-podcasten als Kommunikationsexperte der Vogel Business Media regelmäßig unter media-treff.de. Was wollen Sie damit eigentlich erreichen?

Neu176 In erster Linie ist das Ziel, unseren Kunden in den Agenturen und Marketingabteilungen einen Mehrwert zu bieten: Was passiert im Onlinemarketing, welche Trends gibt es in der B2B-Kommunikation, aber auch im B2C? Media-TREFF gibt es seit über 20 Jahren als Kundenmagazin der Vogel Industrie Medien (VIM), das gleichnamige Corporate Blog feiert Ende Juni den ersten Geburtstag - dann werden rund 80 Webcasts und über 300 Beiträge online sein.

Die Kollegen des Zentralen Marketings bei VIM haben media-TREFF aus der Taufe gehoben, quasi als zeitgemäßes Instrument der Kundenbindung; als Pressesprecher Vogel New Business habe ich mich gerne in das Team eingebracht. Für mich persönlich ist die Interviewreihe eine gute Gelegenheit, die Online-Kompetenz des Hauses Vogel zu transportieren und dabei gleichzeitig meine digitale Reputation zu verbessern.

2. Welche Erfahrungen haben Sie mit Ihren Video-Aktivitäten gemacht? Wie wird das insgesamt angenommen?

Wir sind sehr zufrieden; das Interesse an den Themen, die wir in den Webcasts erörtern, ist enorm. Vielfach führen wir die Interviews auf Branchenveranstaltungen durch wie OMD,  Internet World oder Web2.0-Kongress. Wer nicht vor Ort sein konnte, um einen renommierten Referenten zu hören, erhält so eine verdichtete Fassung des Vortrags in Form eines Webcasts. Auch seitens der interviewten Experten ist der Zuspruch groß: Es kommt relativ selten vor, dass jemand nicht vor die Kamera möchte.

3. Welche Bedeutung hat der Einsatz von Videos überhaupt für die PR?

Webcasts emotionalisieren: "Sich ein Bild machen" oder "ein Bild sagt mehr als tausend Worte" sind Aussagen, die die Vorzüge des Bewegtbildes ausgezeichnet skizzieren. Gerade in der B2B-Kommunikation eignen sich Webcasts sehr gut, um Größen, Prozesse oder Proportionen darzustellen.

Die Produktionskosten und der Hardwareaufwand haben sich in den letzten Jahren deutlich verringert, so dass Webcasts in jedem Fall Bestandteil einer integrierten Kommunikation sein sollten. Blickt man auf das Mediennutzungsverhalten, hat die Rezeption bewegter Bilder im Web rapide zugenommen. Dieser Entwicklung muss seitens der Kommunikatoren Rechnung getragen werden.

4. Immer mehr Medienmacher und Privatpersonen stellen Videos ins Netz. Welchen Einfluss hat das auf die Öffentlichkeit? Müssen wir jetzt damit rechnen, ständig gefilmt zu werden?

Diese Frage muss man in zwei Teilen beantworten. Wenn Sie auf einer Studentenfete sind oder allgemeiner gesagt: überall dort, wo der Anteil Alkoholika größer ist als der nichtalkoholischer Getränke, dann lautet die Antwort: "ein klares Ja!". Seien Sie sich der Gefahr bewußt, dass Video-Streamings per Handy schnell auf einer Homepage landen können oder ausführliche Webcasts bei Sevenload.de oder ähnlichen Anbieter hochgeladen werden. Auch im Berufsleben steigt die Chance, auf einer Messe oder einem Kongress plötzlich in eine Kameralinse zu schauen. Man sollte lieber einmal zu oft als einmal zu wenig sein Recht auf informationelle Selbstbestimmung nutzen. Wer Bootcamps oder Bloggertreffen fernbleibt und einem kreuzbraven Beruf nachgeht, muss nicht damit rechnen, ständig gefilmt zu werden.

Ein Einfluss auf die Öffentlichkeit ist aber besonders signifikant: Der Fernsehkonsum lässt stetig nach und dies wird sich auch fortsetzen. Die Atomisierung des Angebots von Bewegtbildern führt dazu, dass jeder sich den Webcast anschaut, der für ihn im richtigen Moment die richtige Botschaft vermittelt. Also auch hier gilt: Context - not content is king. Dies gilt besonders für die B2B-Kommunikation.

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10. Juni 08

Online Reputation Management 15: Martina Pickhardt über Live-Videos

Manche Menschen sind durch ihre Online-Aktivitäten sehr bekannt geworden. So hat die Hamburger Unternehmensberaterin Tina Pickhardt sich als Twitterin und Video-Podcasterin einen Namen gemacht. Wer Ihren Namen googelt, erhält zahlreiche Ergebnisse und lernt die Facetten näher kennen. Dabei spielt sie auch ein wenig mit ihren unterschiedlichen Identitäten.

1. Mit wem rede ich jetzt eigentlich, mit der PickiHH, die bei Twitter, Videoportalen und Blogs unterwegs oder mit der Strategie- und Technologieberaterin Tina Pickhardt? Sie sind mit verschiedenen Identitäten im Netz aktiv unterwegs. Es gibt rund 16.300 Treffer für PickiHH, aber nur 10.000 Einträge für Martina Pickhardt.

PickiHH ist zufällig entstanden. Ich nutze es für einige meiner Online-Aktivitäten. Dadurch dass ich viel mehr twittere und weniger blogge, hat sich mein Twitter-Nickname bei vielen Lesern eingeprägt. Tina Pickhardt würden ohne Twitter-Account vermutlich viel weniger Menschen kennen. In meinem Blog stehen gerade einmal 60 Blogeinträge, während ich auf Twitter schon mehr als 8.500 Updates vorgenommen habe.

Da ich mich nach der New Economy verstärkt in den interdisziplinären Diskursen zwischen Kunst und Wirtschaft herumgetrieben habe, u.a. als Stipendiatin an der Akademie Schloss Solitude, bezeichne ich mich als Web 2.0 Migrantin, die langsam vom Web1.0 ins Web2.0 migriert. Der Untertitel meines Blogs „Themenriff" lautet deshalb  auch „Migration ins Web 2.0".  Auf der Next08 habe ich meinen gesamten bisherigen Migrationshintergrund getroffen. Es waren viele Menschen dort, die mich seit Jahren in meinem Leben in irgendeiner Art und Weise begleiten. Darunter viele, die mich aus der New Economy Zeit noch kennen, aber auch viele, die mich nur als Twitterer oder Barcamperin erleben.

2. Was machen Sie eigentlich, wenn Sie gerade nicht twittern?

Meine große Leidenschaft liegt im Bewegtbild: TV und Video. Deshalb experimentiere ich viel in diesen Bereichen. Ansonsten verfolge ich die Re-Gründung meines Start-ups, in dem es um Personalisierung, Targeting, OpenID und Profiling geht. Natürlich wird es da eine Kombination mit meiner Bewegtbildleidenschaft geben...

3. Welche Videos produzieren Sie und was passiert damit?

Seit Ende 2007 übertrage ich oft Dissussionsrunden von Konferenzen wie zum Beispiel Barcamps ins Netz. Außerdem führe ich viele individuelle Live-Video-Gespräche und übertrage sie direkt ins Internet. Der Reiz des Live Broadcastings liegt für mich persönlich vor Allem in der Spontanität von Situationen und der Improvisation. Ich habe selten Interviewpartner vor der Kamera, die länger als 30 Sekunden vorher wussten, das Sie jetzt live ins Internet gestreamt werden.

4. Wie sieht so etwas aus?

Wenn ich auf einer Konferenz jemanden sehe, von dem ich weiß, dass er interessante Dinge macht, spreche ich ihn an, damit er in meinem Broadcast der Öffentlichkeit erzählt, was er so tut. Vorführen will ich hierbei niemanden Deshalb verzichte ich auch auf eine klassische Interviewführung, die den anderen inszenieren würde.

Auf der Next08 habe ich Simyo-CEO Rolf Hansen rumstehen sehen, einen Mogulus-Überfall vorgenommen und das Ganze live ins Netz übertragen. Rolf hat dann unter anderem über sein Geschäftsmodell gesprochen und infolge dessen hat einer meiner Twitter-Leser seinen Handyvertrag gekündigt und ist Kunde bei Simyo geworden.

Aber natürlich spreche ich auch Menschen an, die ich überhaupt nicht kenne. Einfach aus Neugier und weil ich glaube, dass jeder Mensch interessante Facetten hat, die zu erzählen lohnenswert sind.

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05. Juni 08

Online Reputation Management 14: Thomas Pleil über neue Herausforderungen in der PR

Nicht alles verändert sich in der PR durch das Web 2.0, meint in unserem Reputation-Interview Thomas Pleil, Professor für Public Relations an der Hochschule Darmstadt. Darüber hinaus gibt er einige Antworten darauf, worauf sich die PR in Zukunft einstellen muss und warum das Bloggen im akademischen Bereich noch keinen großen Stellenwert für die Reputation hat, manchmal sogar eher schadet.

1. Welchen Stellenwert hat die PR überhaupt in den Unternehmen?

Für große Unternehmen ist die Sache klar: Dort hat PR eine feste Rolle und ist längst unverzichtbar. Bei kleineren und mittleren Unternehmen entsteht nach meinem Eindruck mehr und mehr Bewusstsein für PR. Dies gilt umso mehr, je stärker die öffentliche Wahrnehmung eines Unternehmens ist. Insgesamt verschiebt sich zwischen den Kommunikationsdisziplinen derzeit das Gewicht etwas zur PR und weg von der Werbung, da diese an Wirksamkeit verliert.

2. Ist die PR überhaupt für die neuen technischen Herausforderung des digitalen Zeitalters gewappnet? Bedarf es nicht längst mehr technischer Fertigkeiten in der Ausbildung?

Neu162 Mein Eindruck ist, dass die PR oft noch einen Nachholbedarf hat, um die Herausforderungen des digitalen Zeitalters zu meistern. Hierzu gehören auch technische Fertigkeiten, aber diese sind schnell zu erlernen. Viel wichtiger erscheint mir das Verständnis von Mechanismen. Ich muss grob verstehen, wie eine Suchmaschine funktioniert, was RSS-Feeds sind oder Trackbacks etc. Vor allem die Wechselwirkungen zwischen Technik und öffentlicher Kommunikation sind wichtig. Denn Technik ist auch ein Katalysator für veränderte gesellschaftliche Kommunikation.

Im digitalen Zeitalter haben meine Bezugsgruppen ganz andere Ansprüche, artikulieren diese anders als bisher und haben andere Erwartungen bezogen auf mögliche Reaktionen.

Aber zurück zur technischen Fertigkeit: Eine technische Basiskompetenz erscheint mir in der PR sinnvoll und zwar eine, die so angelegt sein sollte, dass man rasch auch mit neuen Anwendungen klar kommt. Heute erwarten wir von unseren Studenten, dass sie zum Beispiel in Wikis arbeiten können, mit Social Bookmarks umgehen, ein (Blog-)CMS bedienen oder Bilder bearbeiten und ein Stylesheet basteln können. In fünf Jahren müssen sie mit anderer Technik umgehen. Aber ich denke, wer mit aktuellen Techniken gut umgehen kann, erlernt auch neue schnell. Ob Hochschulen für die Ausbildung hierin gewappnet sind? Ein paar schon, glaube ich, wobei PR ohnehin noch an sehr wenigen gelehrt wird.

3. Viele PR-Manager möchten selbst nicht gerne in der Öffentlichkeit stehen. Ist das noch zeitgemäß oder sollten PR-Manager sich nicht stärker in die Web 2.0-Welten einbringen, um sie dadurch besser verstehen zu lernen?

Es hat schon gute Gründe, wenn PR-Leute, die ja eher Kommunikationsberater sind, im Hintergrund bleiben. Stakeholder wollen meist gerade nicht den PR-Menschen als Gegenüber, sondern z.B. den Entwickler, den Designer oder den Chef. Nicht umsonst wird von Business Blogs abgeraten, die von PR-Leuten gefüttert werden sollen. Anders ausgedrückt: Web 2.0-Projekte von PR-Managern sind nur ausnahmsweise sinnvoll. Eine solche Ausnahme sind für mich z.B. Social Networks.

Andererseits ist natürlich richtig, dass PR-Manager, die Web 2.0-Projekte planen und verantworten sollen, entsprechende Erfahrung benötigen, damit sie vernünftige Konzepte entwickeln können und diejenigen coachen können, die z.B. ein Business Blog inhaltlich voran bringen sollen. Aber wenn ich mir eine größere, hoch arbeitsteilige PR-Abteilung mit 30 bis 50 Mitarbeitern anschaue, dann wäre es seltsam, wenn sich plötzlich alle ins Web 2.0 stürzten.

Auch morgen noch werden Journalisten in einer Pressestelle anrufen und vernünftige Auskünfte erwarten, und Firmen werden Konferenzen und Messeauftritte organisieren, sie werden Kundenmagazine herausgeben und Business TV anbieten, und der CEO wird Reden halten und Analystenkonferenzen. Die Online-PR wird hier immer von Anfang an mitgedacht werden müssen, aber sie ist in vielen Fällen nur eine Ebene der Kommunikation.

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30. Mai 08

Online Reputation Management 13: Weinexperte und Journalist Mario Scheuermann

Auf das Lesen von gedruckten Tageszeitungen verzichtet der Fachjournalist und Weinexperte Mario Scheuermann inzwischen weitgehend und widmet sich lieber seinen Online-Aktivitäten als Blogger, Twitterer und vieles mehr. Als Wikipedianer nimmt er inzwischen auch Einfluss auf sein Erscheinungsbild in dem Online-Lexikon und erläutert im Interview, wie es dazu eigentlich gekommen ist und wie er sich sonst so um sein digitales Erscheinungsbild kümmert.

1. Wenn ich "Mario Scheuermann" via Google suche, erhalte ich rund 30.000 Ergebnisse, darunter sehr viele von Ihnen. Welche Bedeutung hat das Internet für Ihre Arbeit?

Neu160 Das Internet ist ein Plattform, die es mir ermöglicht, weitgehend selbstbestimmt meine Meinung publizieren bzw. sehr zeitnah zu berichten. Dies ist in den Printmedien leider meist nur noch eingeschränkt möglich. Man muss sich den Vorstellungen der Redaktion, des Verlages, der Graphik, der Technik und auch  der Anzeigenkunden etc. unterordnen. Das geht so weit, dass ich auch gut bezahlte Aufträge schon nach dem Briefing abgelehnt habe, mit der Begründung: wenn Sie vorher schon wissen, was das Ergebnis der Recherche und deren Reflexionen sein sollte, dann schreiben Sie den Artikel doch selbst. Im Endergebnis hat der Umweg übers Online Publishing dazu geführt, dass jetzt gelegentlich andere Redaktionen an mich herantreten und fragen, ob ich so etwas nicht auch für ein Printmedium schreiben könnte. Plötzlich ist es z.B. auch möglich längere Texte ungekürzt oder gar richtige Essays gedruckt zu bekommen. 

2. Was tun Sie alles für Ihre Online Reputation?

Ich scanne beispielsweise täglich meinen Namen automatisch bei google news und nehme mir mindestens einmal im Monat die Zeit, nach mir selbst etwas gründlicher zu googeln. Relevante Meldungen, Artikel, Kommentare verlinke ich an den dafür geeigneten Stellen   

3. Welche Erfahrungen haben Sie mit kritischen Kommentaren gemacht und wie sollte man damit in der Regel umgehen?

Da habe ich eine ganz einfache Regel: jeder Kommentar, der anonym abgegeben wird, egal ob kritisch oder zustimmend, wandert in der Regel in den Papierkorb. Das gleiche gilt für alle Kommentare mit oder ohne Namen, die deutlich unter die Gürtellinie gehen, sich harter Fäkalsprache bedienen, beleidigend sind, strafbewehrte z.B. rassistische Inhalte haben. Bei den anonymen Kommentaren mache ich gelegentlich Ausnahmen, wenn der Inhalt zur Diskussion signifikant beiträgt bzw. symptomatisch ist für bestimmte Tendenzen und Geisteshaltungen. Da gibt es zum Beispiel im drink tank einen Beitrag über das Alkoholverbot für Jugendliche vom 28. Februar 2005 mit derzeit 195 teilweise sehr wüsten Kommentaren. Selbst kommentiert bzw. korrigiert habe ich das nur geringfügig, sondern weitgehend so stehen lassen, als ein authentisches Zeitdokument.

Manchmal muss man sich mit kritischen Kommentaren auch hart auseinandersetzen. Das ist beispielsweise vor einigen Monaten im Planet Bordeaux passiert, als ich einen Artikel kritiserte, der bei Welt online erschienen war und dessen Autorin sich dann zur Wehr setzte Das führte zu einer Kommentardiskussion mit 63 Beiträgen. Da ging es dann schon darum konkrete Sachverhalte zu klären.

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29. Mai 08

Online Reputation Management 12: Christian Clawien und das Social Bookmarking

Als Onliner entdecken Sie beim Surfen auf den Websites immer wieder neue Hinweise auf spannende Informationsquellen, kommen aber meistens nicht dazu, die Texte zu lesen, in einem E-Commerce-Angebot zu stöbern oder sich das Video sofort anzuschauen. Mit den Social Bookmarking  System können Sie Ihre Links nicht nur auf dem eigenen Rechner speichern, sondern auch mit anderen teilen. Christian Clawien, Pressesprecher Mister Wong, erläutert in unserem Interview, welche Vorteile das auch für die Online Reputation haben kann.

1. Wenn ich Sie im Web google, erhalte ich unter den ersten Suchtreffern auch ein Mister Wong-Profil von Ihnen. Das ist bei vielen Ihrer Nutzer der Fall. Wie kommt das eigentlich?

Ein gut gepflegtes Userprofil wird gut in Suchmaschinen indexiert, ähnlich wie ein XING-Account zum Beispiel. Voraussetzung dafür ist, dass ich mein Profil ausgefüllt habe und so meine Daten für Suchmaschinen sichtbar sind.

2. Viele Menschen können mit dem öffentlichen Social Bookmarking noch nicht viel anfangen. Dennoch zeigt die Entwicklung Ihres Traffics, dass solche Portale beliebter werden. Wie erklären Sie sich das?

Christianclawien Viele entdecken gerade die Möglichkeit, die gesammelten Bookmarks unter einem Link zum Userprofil Freunden, Bekannten und dem Netzwerk zur Verfügung zu stellen. Gerade wenn man sich bei uns Buddys anlegt, zeigt sich die ganze Kraft des Prinzips Social Bookmarkings: in meinem Netzwerk sehe ich zum Beispiel immer die letzten von Dir gespeicherten Bookmarks und wenn mich davon etwas interessiert, kann ich das auch gleich bei mir speichern. Andere stöbern sozusagen für mich im Web und alle profitieren gegenseitig davon.

3. Wie wird Mister Wong überhaupt genutzt?

Im Wesentlichen gibt es zwei Aspekte: als Suchmaschine zum Stöbern und Entdecken guter Websites, z.B. auch in unseren Spotlights und als praktisches Tool zum Verwalten von Websites, z.B. für Recherche, Beruf, Unterhaltung, Studium usw.

4. Wie kann man Mister Wong für sein Online-Reputation-Management nutzen?

Social Bookmarking bei Mister Wong zeigt, für welche Themen man sich interessiert und damit kann man sich natürlich als Experte präsentieren. Ich sehe zum Beispiel öfter, dass Leute in Suchmaschinen auf meinen Account stoßen und dann auf mein XING-Profil klicken und mich dann kontaktieren. Insofern macht es mich und meine Expertise im Web bekannt und sorgt damit für einen guten Ruf.

5. Vor kurzem haben Sie lifestream übernommen. Welche neuen Möglichkeiten bieten Sie den Nutzern schon jetzt und welche dürfen wir künftig erwarten?

Bei lifestream.fm kann der Nutzer alles, was er im Netz tut auf einem einzigen Webprofil zusammenfassen – so sehen Freunde und Bekannte immer sofort, wenn es neue Artikel, Bookmarks, Bilder oder Videos im privaten Blog, bei flickr, Youtube, Mister Wong, del.icio.us, Facebook oder Twitter gibt. Mein lifestream ist sozusagen die neue digitale Visitenkarte.

Wir arbeiten derzeit an einer deutschen Version des Services mit zusätzlichen Features und planen mittelfristig die Integration von lifestreaming-Features in Mister Wong. Wir denken, dass sich das bestens ergänzt: Social Bookmarking gibt die Antwort auf die persönlichen Lieblingsseiten im Web - Lifestreaming auf alles weitere wie Bilder, Videos etc. In Kombination entsteht ein Service, der alle relevanten Netzaktivitäten kombiniert und dem Internetnutzer eine gute Hilfe in der Organisation des Online-Lebens gibt.

6. Gibt es besondere Tipps für das Social Bookmarking?

Besonders beliebt sind Wong-Profile die gut gepflegt und kommentiert sind und regelmäßig aktualisiert werden. Es lohnt sich, auf die Usernamen anderer Nutzer zu klicken. Wenn Sie sehen, dass diese interessante Seiten speichern, können Sie diese zu Ihrem Netzwerk hinzufügen. Unter dem Menüpunkt „Buddys“ finden Sie dann alle zuletzt gespeicherten Bookmarks Ihres Netzwerks.

>> 11 weitere Interviews zum Thema Online Reputation Management
>> PR Blogger: 17. Nachgebloggt: Kai Tietjen zu Mister Wong
>> Mister Wong Blog

Klaus Eck

27. Mai 08

Online Reputation Management 11: Michael van Laar und der Lifestream online

Wie Selbstvermarktung online funktioniert, dass weiß der Experte Michael van Laar sehr gut. Der Marketingblogger nutzt alle Spielarten der Web 2.0-Kommunikation aufs feinste und profitiert von seinen Online-Aktivitäten unmittelbar im Googleversum. Im Interview spricht der Mitarbeiter der B2B-Marketingagentur tensor c  viele spannende Dinge an, die Sie ebenfalls zur Verbesserung Ihrer Online Reputation nutzen können.

Neu115 1. Eigentlich bräuchte ich Ihnen gar keine Fragen mehr stellen, weil Michael van Laar komplett im Internet zu finden ist. Es genügt eine kleine Internet-Recherche und ich erhalte alle wesentlichen Informationen zu Ihrer Person. Liege ich damit richtig?

Das stimmt. Zum Glück habe ich einen eher seltenen Namen. Weltweit gibt es meines Wissens nach höchstens eine Handvoll Namensvetter. Im deutschsprachigen Teil des Internets bin ich sogar der einzige mit diesem Namen. Das erleichtert zum Beispiel die „Gestaltung“ von Suchergebnis-Seiten erheblich, weil dadurch das Problem der Abgrenzung zu anderen Personen mit gleichem Namen entfällt. Zudem versuche ich sicherzustellen, dass jeder, der irgendwo im Web auf meinen Namen stößt, möglichst schnell die wichtigsten Eckpunkte zu meiner Person finden kann. Zu diesem Zweck verwende ich einerseits eine einheitliche, knappe Selbstbeschreibung mit wenigen Stichpunkten, die praktisch in jedem Profil auf den unterschiedlichsten Websites auftaucht. Zum anderen achte ich darauf, überall dort, wo ich im Netz aktiv bin und Inhalte produziere, Links zu meiner persönlichen Website, zu einem meiner beiden Blogs oder zu meinem XING-Profil bereitzustellen.

2. Sie bieten einen Lifestream an, über den wir mitbekommen, was Sie gerade schreiben. Was ist das genau?

Verschiedenen Web-2.0-Services gebe ich freiwillig eine ganze Menge Informationen über mich preis. Wenn ich beispielsweise Musik via iTunes höre, wird bei Last.fm genau protokolliert, wann ich mir welchen Song angehört habe. Der Social-Bookmark-Dienst del.icio.us kennt alle Links, die ich speichere. Qype weiß, wo ich gerne essen gehe. Und Dopplr kann Auskunft geben, wann ich wohin reise. All diese Informationen lassen sich als RSS-Feeds abrufen, ebenso wie die Inhalte, die ich in meinen Blogs und bei Twitter produziere. Führt man alle RSS-Feeds zusammen und ordnet die einzelnen Inhaltsschnipsel in chronologischer Reihenfolge, ergibt das ein nahezu vollständiges Bild meines Online-Lebens, eben einen Lifestream. Das ist natürlich Exhibitionismus pur. Über den Sinn und Nutzen kann man daher berechtigterweise geteilter Meinung sein.

3. Sie bloggen und twittern und machen nebenher auch noch Musik. Alles ist online abrufbar. Gibt es noch einen anderen privaten Michael van Laar, den niemand kennt?

Den gibt es natürlich. Es mag vielleicht auf den ersten Blick nicht so aussehen, doch ich überlege mir sehr genau, welche Informationen ich im Netz öffentlich zugänglich mache und welche nicht. Da sich aufgrund meiner Interessen Berufliches und Privates häufig vermischen, gilt bei mir die einfache Regel: Ich veröffentliche nichts, was ich nicht bedenkenlos meinem Chef, meinen Geschäftspartnern oder Kunden zu lesen geben kann oder was mir später einmal unangenehm sein könnte.

Meine „Intimsphäre“ ist dank des Web 2.0 mit Sicherheit kleiner geworden. Doch ich habe kein Problem damit, wenn meine Geschäftskontakte gewisse private Details von mir kennen, wie zum Beispiel Musik, die ich gerne höre. Im Gegenteil – vielleicht stößt man ja auf gemeinsame Interessen. Wichtig ist der bewusste und konsequente Umgang mit der eigenen Privatsphäre. Offenheit ist für mich in Ordnung, solange ich genau bestimmen kann, was ich öffentlich zugänglich mache und welcher Teil des eigenen Lebens nach wie vor privat ist und es trotz der Exhibitionismus-Möglichkeiten des Mitmach-Webs auch in Zukunft bleibt.

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