Online Reputation Management 11: Michael van Laar und der Lifestream online
Wie Selbstvermarktung online funktioniert, dass weiß der Experte Michael van Laar sehr gut. Der Marketingblogger nutzt alle Spielarten der Web 2.0-Kommunikation aufs feinste und profitiert von seinen Online-Aktivitäten unmittelbar im Googleversum. Im Interview spricht der Mitarbeiter der B2B-Marketingagentur tensor c viele spannende Dinge an, die Sie ebenfalls zur Verbesserung Ihrer Online Reputation nutzen können.
1. Eigentlich bräuchte ich Ihnen gar keine Fragen mehr stellen, weil Michael van Laar komplett im Internet zu finden ist. Es genügt eine kleine Internet-Recherche und ich erhalte alle wesentlichen Informationen zu Ihrer Person. Liege ich damit richtig?
Das stimmt. Zum Glück habe ich einen eher seltenen Namen. Weltweit gibt es meines Wissens nach höchstens eine Handvoll Namensvetter. Im deutschsprachigen Teil des Internets bin ich sogar der einzige mit diesem Namen. Das erleichtert zum Beispiel die „Gestaltung“ von Suchergebnis-Seiten erheblich, weil dadurch das Problem der Abgrenzung zu anderen Personen mit gleichem Namen entfällt. Zudem versuche ich sicherzustellen, dass jeder, der irgendwo im Web auf meinen Namen stößt, möglichst schnell die wichtigsten Eckpunkte zu meiner Person finden kann. Zu diesem Zweck verwende ich einerseits eine einheitliche, knappe Selbstbeschreibung mit wenigen Stichpunkten, die praktisch in jedem Profil auf den unterschiedlichsten Websites auftaucht. Zum anderen achte ich darauf, überall dort, wo ich im Netz aktiv bin und Inhalte produziere, Links zu meiner persönlichen Website, zu einem meiner beiden Blogs oder zu meinem XING-Profil bereitzustellen.
2. Sie bieten einen Lifestream an, über den wir mitbekommen, was Sie gerade schreiben. Was ist das genau?
Verschiedenen Web-2.0-Services gebe ich freiwillig eine ganze Menge Informationen über mich preis. Wenn ich beispielsweise Musik via iTunes höre, wird bei Last.fm genau protokolliert, wann ich mir welchen Song angehört habe. Der Social-Bookmark-Dienst del.icio.us kennt alle Links, die ich speichere. Qype weiß, wo ich gerne essen gehe. Und Dopplr kann Auskunft geben, wann ich wohin reise. All diese Informationen lassen sich als RSS-Feeds abrufen, ebenso wie die Inhalte, die ich in meinen Blogs und bei Twitter produziere. Führt man alle RSS-Feeds zusammen und ordnet die einzelnen Inhaltsschnipsel in chronologischer Reihenfolge, ergibt das ein nahezu vollständiges Bild meines Online-Lebens, eben einen Lifestream. Das ist natürlich Exhibitionismus pur. Über den Sinn und Nutzen kann man daher berechtigterweise geteilter Meinung sein.
3. Sie bloggen und twittern und machen nebenher auch noch Musik. Alles ist online abrufbar. Gibt es noch einen anderen privaten Michael van Laar, den niemand kennt?
Den gibt es natürlich. Es mag vielleicht auf den ersten Blick nicht so aussehen, doch ich überlege mir sehr genau, welche Informationen ich im Netz öffentlich zugänglich mache und welche nicht. Da sich aufgrund meiner Interessen Berufliches und Privates häufig vermischen, gilt bei mir die einfache Regel: Ich veröffentliche nichts, was ich nicht bedenkenlos meinem Chef, meinen Geschäftspartnern oder Kunden zu lesen geben kann oder was mir später einmal unangenehm sein könnte.
Meine „Intimsphäre“ ist dank des Web 2.0 mit Sicherheit kleiner geworden. Doch ich habe kein Problem damit, wenn meine Geschäftskontakte gewisse private Details von mir kennen, wie zum Beispiel Musik, die ich gerne höre. Im Gegenteil – vielleicht stößt man ja auf gemeinsame Interessen. Wichtig ist der bewusste und konsequente Umgang mit der eigenen Privatsphäre. Offenheit ist für mich in Ordnung, solange ich genau bestimmen kann, was ich öffentlich zugänglich mache und welcher Teil des eigenen Lebens nach wie vor privat ist und es trotz der Exhibitionismus-Möglichkeiten des Mitmach-Webs auch in Zukunft bleibt.
4. Aus welchen Gründen nutzen Sie die marketing-BÖRSE und brainGuide aktiv? Welche Erfahrungen haben Sie mit diesen Plattformen gemacht?
Solche Experten-Portale bieten eine vergleichsweise einfache Möglichkeit, sich einem interessierten Fachpublikum zu präsentieren. Wie eigentlich überall im Marketing, muss man auch beim Selbstmarketing dort präsent sein, wo sich die eigene Zielgruppe aufhält. Wer sich auf solchen Plattformen ein Profil einrichtet und Fachartikel veröffentlicht, profitiert von der fach- oder branchenspezifischen Reichweite dieser Websites. Ich selbst nutze sowohl die marketing-BÖRSE als auch brainGuide zurzeit nicht so konsequent, wie man dies eigentlich tun sollte. Meine Profile halte ich zwar aktuell. Bei den Fachbeiträgen fehlt es jedoch an regelmäßigen neuen Inhalten. Da wäre mehr machbar, was aber auch einen dementsprechend höheren Zeitaufwand erfordert. Nichtsdestoweniger eignen sich beide Profile sehr gut, um die erste Google-Ergebnisseite mit Inhalten zu füllen, auf die ich selbst Einfluss nehmen kann. Beide Profile erscheinen bei der Google-Suche nach meinem Namen nämlich fast immer auf den vorderen Plätzen.
5. Viele Arbeitgeber haben Angst, Ihre Mitarbeiter zu verlieren, wenn Sie deren Daten und Profile online preisgeben. Was meinen Sie dazu?
Natürlich ist diese Angst nicht ganz unbegründet. Doch bei guten Mitarbeitern haben die Headhunter auch schon zu Zeiten angeklingelt, als es noch kein XING oder LinkedIn gab. Der Wettbewerb um gute Leute ist durch die neuen Recherchemöglichkeiten im Web vielleicht ein wenig härter geworden. Doch andererseits kann ein Unternehmen auch davon profitieren, dass die eigenen Mitarbeiter stärker im Web präsent sind. Nur zwei Beispiele: In beratungsintensiven Branchen ist oftmals die Reputation der beteiligten Projektmitarbeiter mindestens genau so wichtig, wie das Image des dahinterstehenden Unternehmens. Außerdem kann ein Unternehmen keine Rede halten, um sich bei wichtigen Kongressen und ähnlichen Veranstaltungen zu präsentieren. Wenn es darum geht, einen geeigneten Keynote-Speaker oder Fachreferenten für eine Veranstaltung zu suchen – wonach werden die Veranstalter wohl vor allem suchen? Nach unpersönlichen Unternehmen? Oder nach Experten, die sich erfolgreich einen Namen gemacht haben?
6. In Ihrem Weblog Selbstmarketing-Praxis setzen Sie sich intensiv mit den Themen Selbstmarketing, Imagepflege, Reputationsmanagement und Networking auseinander. Welche Tipps für das Selbstmarketing können Sie den Lesern des PR Bloggers geben?
Zunächst einmal weiterhin fleißig den PR Blogger zu lesen. Denn darüber wurde auch ich erst so richtig auf das Thema aufmerksam und lernte, dass es für meine Bemühungen, Marketing-Mechanismen im Web für den eigenen Imageaufbau anzuwenden, den Fachbegriff Online-Reputationsmanagement gab. Ansonsten kann ich nur jedem raten, ein wenig Zeit aufzuwenden und sich in Ruhe mit dem Thema zu beschäftigen. Ich bin mir sicher, dass die Pflege des eigenen guten (Online-)Rufes früher oder später für jeden ein Thema wird, denn die Relevanz des Internets in unserem Alltag wächst nach wie vor. Wer von vorneherein überlegt im Netz auftritt, muss sich später nicht mit Jugendsünden herumschlagen, die eventuell ein schlechtes Licht auf ihn werfen. Auch wenn es entsprechende Anbieter gibt, die die Löschung ungeliebter Inhalte versprechen, rate ich dazu, sich nicht zu sehr auf die mögliche Inanspruchnahme solcher Dienstleistungen zu verlassen. Es geht dabei um die Einstellung: Wer die Verantwortung für das eigene Image komplett outsourcet, wird nie einen verantwortungsvollen Umgang mit den Möglichkeiten des Mitmach-Webs lernen. Zudem ermöglichen Tools wie myON-ID auch Online-Marketing-Unkundigen einen bequemen Einstieg in die Analyse und Pflege der persönlichen Reputation.
7. Sie lassen sich wirklich auf die radikale Transparenz ein und scheinen auf der Klaviatur der Online-Reputation sehr gut spielen zu können. Doch wo sind eigentlich die Grenzen der eigenen Selbstvermarktung für Sie? Wo beginnt Ihre (digitale) Intimsphäre?
Das lässt sich so generell wahrscheinlich nur schwer sagen. Es gibt einfach sehr persönliche Erlebnisse, Gefühle und Gedanken, die weder in der Online- noch in der Offline-Öffentlichkeit etwas zu suchen haben. Die Intimsphäre beginnt in jedem Fall dort, wo es nicht mehr nur um meine eigene Privatsphäre und meine eigenen Persönlichkeitsrechte geht, sondern auch um die anderer Beteiligter. Eigentlich sollte es selbstverständlich sein: Wenn man mit jemandem ein Problem hat, das nicht mehr auf fachlicher oder sachlicher Ebene diskutiert wird, sollte man dies nicht öffentlich in einem Forum ausdiskutieren. Genauso wenig würde ich öffentlich über Themen twittern, die nur meine Frau und mich etwas angehen. Das klingt zwar banal und selbstverständlich. Doch wie man am Beispiel der öffentlichen Beziehungs-Schlammschlacht von Wikipedia-Gründer Jimmy Wales und seiner Ex-Freundin sehen kann, ist es das offenbar doch nicht für jeden.
8. Müssen wir uns alle von dem alten Begriff Privatsphäre trennen und davon ausgehen, dass es sie nicht mehr gibt?
Ich würde nicht sagen, dass es sie in Zukunft nicht mehr gibt. Doch wir müssen sie bewusster pflegen. Früher war es für viele Menschen normal, Berufliches und Privates strikt zu trennen, ohne dass sie dafür viel tun mussten. Wenn nicht zufällig ein Kollege im selben Sportclub, Kirchenchor oder Taubenzüchterverein war, reichte es normalerweise, ganz einfach sein Hobby zu verschweigen, wenn man nicht wollte, dass die geschäftlichen Kontakte wussten, was man nach Feierabend so alles tat. Im Internet dagegen ist zunächst einmal alles öffentlich. Die „natürliche“ Trennung von Lebensbereichen findet nicht mehr von selbst statt. Wir müssen selbst aktiv werden, um Informationen zu schützen, die nicht öffentlich zugänglich sein sollen. Entsprechende Einstellungen gibt es bei fast allen Webdiensten, die wir beruflich und privat nutzen. Doch viele potenzielle Nutzer, die um ihre Privatsphäre besorgt sind, wissen dies schlichtweg nicht und probieren deswegen Angebote wie Networking-Portale gar nicht erst aus. Das ist schade.
9. Was halten Sie vom Datenschutz? Ist der unwichtig geworden?
Im Gegenteil. Das zeigt schon die Tatsache, dass bei vielen Diskussionen rund um das Social Web sehr schnell auch der Datenschutz thematisiert wird. Dass die derzeitigen rechtlichen Rahmenbedingungen noch nicht optimal sind, dürfte unbestritten sein. Hier ist es richtig und wichtig, über Verbesserungsmöglichkeiten kontrovers zu diskutieren. Andererseits kann man aus Selbstmarketing-Sicht nicht so lange warten, bis die Datenschutzregelungen den Gegebenheiten und Anforderungen des Web 2.0 entsprechen. Und selbst dann gäbe es noch das Problem der international äußerst unterschiedlichen Rechtslage. Wer hier und heute die Möglichkeiten des modernen Web für sein Selbstmarketing nutzen möchte, muss sich daher mit den aktuellen Gegebenheiten arrangieren. Und das heißt zurzeit vor allem, mehr Eigenverantwortung zu übernehmen, als wir es bisher gewohnt waren.
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Klaus Eck

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