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23. Juni 06

Denkanstoß statt Anstoß

Wenn man heutzutage einen Blick auf die Titelblätter der Zeitschriften bzw. Zeitungen wirft, hat man wahrhaftig das Gefühl, dass es nur noch ein einziges Thema in diesem Land gibt. Die WM hat die Medien bestens im Griff und sorgt nicht zuletzt dafür, dass man dem Fussball-Trubel nur durch einen bewussten Entzug der Massenmedien entkommen kann. Dass es jedoch auch in diesen Tagen noch Menschen gibt, die sich um Themen fern vom Rasen kümmern, zeigte die Aktion "Anstoß – Themen fern vom grünen Rasen", die gestern um 13 Uhr am Sendlinger Tor in der Münchner Innenstadt stattgefunden hat.

Screenhunter_388 Ein ungewohntes Bild bot sich Passanten gestern am Sendlinger Tor, als sie die Rolltreppe von der U-Bahn hochfuhren: Da lag ein Obdachloser auf einem Mini-Fußballfeld. Eine Wäscheleine war über
den ganzen Platz gespannt, voll behangen mit bunten Trikots zum Mitnehmen. An der Ecke zur Sendlinger Straße drängten sich die Menschen um drei Kickertische.

Bei der Guerilla-Aktion, die von der Untergrund-Agentur webguerillas umgesetzt wurde, stellten sich die drei sozialen Organisationen exilio e.V., Lindau, ein Verein für Hilfe für Migranten,
Flüchtlinge und Folterüberlebende
, die Heilsarmee, sowie Aktion Canchanabury e.V., Bochum  vor und wandelten das Sendliger Tor kurzerhand für einige Stunden um zum Zentrum der "sozialen WM"

Mit Hilfe der unkonventionellen Veranstaltungsform sollten Menschen auch während der WM den Anstoß erhalten nicht nur über Anstöße auf dem Fussballlfeld nachzudenken, sondern ihre Sensibilität für soziale Themen wie Obdachlosigkeit, Flüchtlinge und Aids-Waisen zu schulen.

Die Aktion zeigte eindeutig, dass sensible Themen durchaus mit ironisch-ernsten Anspielungen dargestellt werden können. Entscheidend ist hier die Botschaft die durch die Aktion vermittelt wurde.

Verena Schmunk

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